Sonntag, 7. Mai 2017

Gelesen: Thomas Henseler, Susanne Buddenberg: GRENZFALL (D 2011)

Worum geht's?

Dies ist die Geschichte einiger Bürgerrechtler, im Stasi-Jargon "Staatsfeinde", die in den 1980er Jahren mit ihrer Untergrundzeitschrift Grenzfall die DDR aufmischten. Das Ganze wird an Peter Grimm angedockt, der als Schüler wegen seiner "moralisch-charakterlichen Grundhaltung" vom Abitur ausgeschlossen wurde und schließlich von der Schule flog.

Wie ist der Comic erzählt?

Schwarzweißer Sachcomic mit Grauwerten. Mischung aus Biografie und DDR-Doku, angereichert um ein Glossar.

Was gefiel nicht so?

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Was gefiel?

  • Mich überzeugte die erzählerische Umsetzung: Das liest sich von der Form her locker runter, zugleich ist alles Wichtige und Schmerzhafte drin.
  • Die Zeichnungen machen nicht auf Kunst, sondern sind sachlich-zurückhaltend.
  • Zielgruppe sind offensichtlich Jugendliche; entsprechend zugänglich und knapp-klar ist der Comic.

Gute Stelle?

Unterwegs werden einem viele Methoden der staatlichen Überwachung und Unterdrückung nahegebracht, die besonders perfide "Zersetzung" hingegen findet sich am besten im Glossar dargestellt. Bitte lasst folgenden Satz ein Minütchen auf euch wirken:

"Für die Betroffenen war oft nicht zu erkennen, dass hinter beruflichen und persönlichen Krisen oder Misserfolgen ein Plan der Staatssicherheit steckte."

Stellt euch das fürs eigene Leben vor!

Zu empfehlen?

Aber ja! Das ist eine ebenso beiläufige wie fundierte Einführung in die Bürgerrechtsbewegung und den Unterdrückungsapparat der DDR: schnell gelesen, bringt viel.

Wo aufgestöbert?

Zufallsfund in der immer wieder erstaunlichen Comicecke unserer kleinen Bofinger-Bibliothek:



Und sonst?

Mehr, auch Leseproben und Rezensionen, beim Avant-Verlag

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