Dienstag, 29. November 2016

Hillary Clinton, die "Macht der Bilder" und die "Frauenfeindlichkeit"

Meine Berliner Übersetzerkollegin Nora Lachmann machte neulich auf einen interessanten Gastkommentar in der Zeit zum Scheitern Hillary Clintons aufmerksam:



Interessant und sehr gelungen finde ich den Artikel in seinen chronologischen Details; die Schlussfolgerungen teile ich nicht.

Ich könnte es knapp mit einem Bonmot von Stefan Niggemeier ausdrücken, das sich ebenfalls auf Twitter findet:



Ausführlicher gesprochen: Diejenigen Bilder, die Hillary Clinton meiner Meinung nach entscheidend geschadet haben, bei der breiten Wählerschaft, stammen alle von ihr.

Es sind:

  • die engagierte Streiterin für Frauenrechte, die sich von ihrem Mann erst demütigen ließ und dann mit ihm zusammenblieb - das hat damals keine einzige Frau in meinem Bekanntenkreis verstanden, und es wurde entweder zynisch (mit Machtgründen) oder psychopathologisch interpretiert;
  • die Außenministerin, die sich weigerte, politische Verantwortung für Bengasi zu übernehmen - es sind Minister aus deutlich schadensärmeren Gründen zurückgetreten. Und statt die Kritik der Republikaner dann wenigstens auszusitzen, rechtfertigt sie sich noch zwei Jahre später in ihrer zweiten Autobiografie auf Aberdutzenden von Seiten;
  • die Gesunde und Fitte, die öffentlich zusammenbricht - hier wurde argumentiert, dass es ja auch schon Männern so ergangen wäre, gerade mit Lungenentzündungen. Der Punkt ist, dass diese aber praktisch nie öffentlich zusammengebrochen sind; deren Selbstinszenierung hat gehalten.

Was unterm Strich die These betrifft, dass Hillary Clinton an weitverbreiteter Frauenfeindlichkeit gescheitert ist, so stimmt natürlich, dass die Neurechte extrem frauenfeindlich rumgekeift hat.

Aber so unangenehm groß die Neurechte tut, sie ist eine Minderheit.

Und Frauen in obersten Regierungsämtern sind nun wirklich nichts Neues mehr auf dem Globus. Warum sollte das Geschlecht ausgerechnet in den USA, die schon 1933 einen Rollstuhlfahrer und vor acht Jahren einen Schwarzen zum Präsidenten gewählt haben, ein Problem darstellen?

Als das Gallup-Institut 1999 die US-Bürger fragte, ob sie eine ansonsten gut qualifizierte Person ins höchste Amt wählen würden, wenn es sich um eine Frau handelte, gaben 96 Prozent ja an*. Die höchste Kategorie überhaupt. Haben die alle gelogen?

Ich bezweifle es.

Und sobald einmal eine Frau antritt, deren Persönlichkeit weniger "hakelig" ist, sagen wir eine Frau vom Format Madeleine Albright (erste Außenministerin, demokratisch, 1997-2001)** oder Condoleezza Rice (erste schwarze Außenministerin, republikanisch, 2005-2009, davor Nationale Sicherheitsberaterin), wird diese auch gewählt werden; da bin ich ganz sicher.



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* Richard Dawkins, DER GOTTESWAHN, Ullstein Taschenbuch, 5. Auflage 2009, S. 16
** Sie dürften die Teilnehmer an der Gallup-Studie bei ihrer Antwort vor Augen gehabt haben. 

Montag, 21. November 2016

Wie mir Winston Churchill auf einen Schlag unsere ganzen Putinversteher erklärte

... und zwar linke wie rechte:

"Auf den Deutschen ruht eine immense Verantwortung für ihre Unterwürfigkeit unter den barbarischen Gedanken der Autokratie. Dies ist die Hauptbeschwerde der Geschichte gegen sie - dass sie trotz ihrer Intelligenz und ihres Mutes die Macht anbeten und sich an der Nase herumführen lassen."

aus: "The Ex-Kaiser", 1930; zitiert nach Kielinger, S. 211/212

Henry Kissinger hat zu unseren Putinverstehern/NATO-Kopfschüttlern auch noch was zu sagen:

"Wenn die Erhaltung des Friedens - Frieden gedacht als Verhinderung des Krieges - oberstes Ziel eines Staates oder einer Staatengruppe [ist], [hängt] das Schicksal des internationalen Systems von dem rücksichtslosesten Mitglied der internationalen Gemeinschaft ab."

aus: "A World Restored", 1957; ebenfalls zitiert nach Kielinger, S. 223


Mittwoch, 16. November 2016

... und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte

"Auf den Gerechten fällt der Regen,
auch auf den ungerechten Mann.
Vor allem auf den Gerechten, wegen
Des Schirms, den ihm der andre nahm."

- Charles Bowen


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Quelle: Richard Dawkins, DER GOTTESWAHN (GB 2006), Ullstein 5. Auflage 2009, S. 476

Montag, 7. November 2016

Lese ich gerade zum zweiten Mal und könnte dutzendweise daraus zitieren

"Durch das Versprechen des Märtyrerparadieses vor der Angst geschützt, verdient der echte Gläubige in der Geschichte der Waffenentwicklung einen Ehrenplatz gleich neben Langbogen, Schlachtross, Panzer und Streubombe."

- Richard Dawkins, DER GOTTESWAHN (GB 2006), Seite 429



"Das Christentum lehrt ebenso nachdrücklich wie der Islam, dass unhinterfragter Glaube eine Tugend ist. Man braucht für das, was man glaubt, keine Begründung. Wenn jemand verkündet, dieses oder jenes gehöre zu seinem Glauben, ist die gesamte Gesellschaft - unabhängig davon, ob sie demselben Glauben angehört oder nicht - aufgrund einer tief verwurzelten Sitte dazu verpflichtet, dies ohne weitere Fragen zu 'respektieren'; es wird respektiert, bis es seinen Ausdruck eines Tages in einem entsetzlichen Blutbad findet [...] Dann setzt auf einmal der große Chor der Distanzierer ein: Geistliche und 'Führer von Gemeinschaften' [...] erklären reihenweise, der Extremismus sei eine Perversion des 'wahren' Glaubens. Aber wie kann es eine Perversion des Glaubens geben, wenn der Glaube selbst, dem ja die objektive Rechtfertigung fehlt, gar keine handfesten Maßstäbe besitzt, die man pervertieren könnte?"

- ebenda, Seite 428

"Da jeder neuen Kindergeneration beigebracht wird, religiöse Vorschriften müssten nicht wie alle anderen Regeln gerechtfertigt werden, ist die Zivilisation immer noch von den Armeen des Absurden belagert. Noch heute bringen wir uns wegen antiker Literatur um."

- Sam Harris