Montag, 30. März 2015

Grüner Daumen

Oder vielleicht besser "grünes Gen", denn ich habe es von meiner Mutter geerbt und offensichtlich an unseren Zwölfjährigen weitergegeben. Diese Amaryllis hat er aus dem selbst geernteten und getrockneten Samen gezogen und im Laufe mehrerer Jahre, mit Vaterns Gießhilfe, bis zur ersten Blüte gebracht:


Wer regelmäßig hier hereinschaut, erinnert sich sicher an Fotos von diversen wilden Blüten, zuletzt von der im wahrsten Sinne des Wortes umwerfenden Aasblume. Nun, ohne unseren Zwölfjährigen hätte es die alle nicht gegeben. Ich bin kein großer Freund von Kakteen und Sukkulenten, er aber schon, und erst in unserem Zusammenspiel kamen diese tollen Exemplare dann zustande.

Apropos Gärtnern! Mein schönstes Geburtstagsgeschenk bis jetzt ist dieses hier:


Diese wunderbare Bildbiografie des "stillen Beatles" - hier präsentiert auf einem tollen T-Shirt von Chapati, das ich mir selbst zum Geburtstag geschenkt habe - hat mir heute beim ausgedehnten Frühstück schon viel Freude gemacht!

Die folgende Anekdote erzählt sein Sohn Dhani - ihr erinnert euch noch, wir waren eben beim Gärtnern?

In meinen frühesten Erinnerungen ist Dad irgendwo im Garten, voller Schmutz. Irgendwo, wo es heiß ist: ein tropischer Garten, er in Jeans und Khakihemd, und andauernd pflanzt er Bäume. Bis ich sieben Jahre alt war dachte ich, das wäre sein Beruf. Ich hatte keine Ahnung, dass er etwas mit Musik zu tun hatte. Eines Tages ging ich von der Schule nach Hause, da verfolgten mich ein paar Jungs und johlten mir "Yellow Submarine" hinterher. Ich verstand zuerst überhaupt nicht, was sie wollten. Es war irgendwie surreal, warum sangen sie diesen Song? Dann kam ich nach Hause und flippte total aus, ich schrie meinen Dad an: "Warum hast du mir nicht erzählt, dass du bei den Beatles warst?" Und er sagte: "Oh, tut mir leid. Das hätte ich dir wohl erzählen sollen."

Eine schöne Woche euch! Macht was Gutes draus!

Aber erst hört noch diesen Song von Dhani und seiner Band. "It's Never Too Late" - es ist nie zu spät:




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English summary for foreign readers: My twelve-year-old son has raised an amaryllis from the seed which is now, after several years, blooming for the first time. And I'm reading the wonderful George Harrison picture bio which was a birthday present today.

Donnerstag, 26. März 2015

10 Dinge, die ich nach einem schlimmen Flugzeugabsturz nicht sehen oder hören oder lesen möchte [aktualisiert]

Da schließe ich mich doch gern an:

 (Quelle: Lorenz Meyer, über Molosovsky)

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Nachtrag 27.03. - Was ich aber richtig, richtig gern gelesen habe, ist der neueste Artikel in der Rubrik "Wie erklär ich's meinem Kind" in der FAZ, wo sich die verehrte Reisejournalistin Andrea Diener mit dem Absturz beschäftigt. Lesen! Unbedingt! Und vielleicht könnt ihr es sogar im Familienkreis gebrauchen.

Mittwoch, 25. März 2015

Abgeliefert: das gegengelesene Lektorat von Elise Broach, DIE BARKER BOYS - DER FLUCH DES DONNERGOTTES

Hm, es ist bestimmt auch schon wieder zwei Wochen her, dass ich das Lektorat meiner Übersetzung des abschließenden Bandes dieser Abenteuer-Trilogie für Kinder gegengelesen habe. Inzwischen liegt bereits der Umbruch vor.

Aus der Vorankündigung

(Bildquelle: Carlsen)

Inhalt

Nachdem die Barker Boys und Delilah nur knapp dem Tod entkommen sind, tauchen immer mehr Rätsel auf. Der Erdrutsch im Canyon kann kein Zufall gewesen sein. Da sind sich alle einig. Aber wer steckt dahinter? Ein geheimer Brief an Henry liefert den entscheidenden Hinweis. Denn er enthält nicht nur den letzten Willen von Onkel Hank, die Kinder erfahren auch von einem uralten Fluch: Jeder, der das Gold des Berges stiehlt, ist zum Tode verdammt. Ein letztes Mal machen sich die vier Freunde auf den Weg zum geheimen Canyon. Doch ein Gewitter zieht auf und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

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Mir gefällt neben der spannenden, naturalistischen Darstellung auch immer, dass es der Autorin glaubwürdig gelingt, die Kinderperspektive einzunehmen, manchmal mit witzigen Effekten. Das hier kann wohl jedes Kind nachempfinden - erst das Original, dann meine Übersetzung:

After a rushed good-bye to Delilah at the end of her street, the boys pedaled furiously back home, swinging their bikes into the driveway just as their father was carrying the recycling bin out to the street.

“There you are!” he exclaimed. “Your mother just called Delilah’s house looking for you.”

“We rode out by the cemetery,” Simon told him promptly.

“At night?” Mr. Barker raised his eyebrows. “That sounds spooky.”

“It was!” Jack declared. “But we didn’t see any ghosts,” he added, disappointed.

“Oh well,” Mr. Barker said. “Maybe next time.”

Mrs. Barker was less understanding. “It’s almost nine-thirty!” she scolded. “If you can’t make it home by nine
o’clock, we’ll have to make your curfew earlier.”

As with many parental edicts, this made little sense to Henry. If they couldn’t make it home by nine, it seemed obvious that their curfew should be LATER, not earlier. But the parental mind was a contrary thing and did not often work logically.

Nach einem hastigen Abschied von Delilah am Ende ihrer Straße strampelten die Jungen wie wild nach Hause und bogen gerade in die Auffahrt ein, als ihr Vater die Recyclingtonne auf die Straße stellte.

»Da seid ihr ja endlich!«, rief er. »Eure Mutter hat gerade bei Delilah zu Hause angerufen und nach euch gefragt.«

»Wir sind raus zum Friedhof gefahren«, sagte Simon sofort.

»Im Dunklen?« Mr Barker zog die Augenbrauen hoch. »Klingt gruselig.«

»War es auch!«, erklärte Jack. »Aber Geister haben wir keine gesehen«, fügte er enttäuscht hinzu.

»Ach so, na ja«, sagte Mr Barker. »Vielleicht nächstes Mal.«

Mrs Barker war nicht so verständnisvoll. »Es ist fast halb zehn!«, schimpfte sie. »Wenn ihr es nicht schafft, bis um neun zu Hause zu sein, müssen wir die späteste Uhrzeit wohl vorziehen.«

Henry fand das wenig einleuchtend, wie so viele elterliche Vorschriften. Wenn sie es nicht bis neun schafften, dann musste ihre späteste Uhrzeit doch eindeutig nach HINTEN geschoben und nicht vorgezogen werden. Aber das Denken von Eltern war voller Widersprüche und hatte oft nur wenig mit Logik zu tun.

Das Buch erscheint noch im Frühjahr. Mehr beim Verlag


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English summary for foreign readers: About two weeks ago, I counter-checked the edited version of my translation of REVENGE OF SUPERSTITION MOUNTAIN by Elise Broach. Still fun!

Samstag, 21. März 2015

Krimi-Autorin von zwei Männern als "Feind Allahs" zusammengetreten, weil sie über Frauen geschrieben hat, die sich einen "Ehrenmörder" vorknöpfen

Ich glaube, ich gehe am Montag ein paar Bücher von Astrid Korten kaufen ... Tantiemen sind gute Schmerzmittel.

Mehr dort


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English summary for foreign readers: German thriller writer Astrid Korten who wrote about some women taking revenge for an "honor killing" was bullied and kicked in the stomach as an "enemy of Allah". More, in German, over there.

Montag, 16. März 2015

Und, Frank, wie war's in Leipzig? [aktualisiert]

Schön war's!

Und kurz war's. Ich habe diesmal nur knapp vier Stunden auf der Messe verbracht und um Nägel mit Köpfen zu machen, bin ich vor und nach unserer Veranstaltung einzig am Septime-Stand gewesen. Herumhetzen bringt eh nichts, und so haben Jürgen Schütz und ich uns nach Jahren endlich einmal wieder richtig unterhalten können, und ich habe die tolle Julie Phillips kennengelernt, deren Tiptree-Biografie ihr alle unbedingt lesen müsst, und dazu noch einige spannende Leute mehr,

und weil ich jetzt fleißig sein möchte, schicke ich euch, so ihr neugierig seid, rüber auf die Facebook-Seite vom Septime-Verlag, wo es eine schöne Fotoserie gibt ...

(Hier erkläre ich gerade, dass ein Tiptree-Übersetzer beim Googeln einer ihrer seltsamen, coolen Redewendungen allzu oft wieder direkt auf die Geschichte verwiesen wird, die er gerade übersetzt. Pech gehabt! Oder auch Glück; nun darf man selber kreativ werden. Foto: Septime)

 ... und zur Messe-Rückschau vom Fantasyguide, wo Ralf Steinberg unsere Veranstaltung als "Höhepunkt des Tages" lobt, Donnerwetter!

Muss los. Wir lesen uns!

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Nachtrag 17.03. - Die Leute vom Golkonda-Verlag haben auch noch was über unsere Veranstaltung gebracht, dort.


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English summary for foreign readers: Our Leipzig Book Fair panel 100 years James Tiptree, Jr. was fun and I was very pleased to meet Julie Phillips, her awesome biographer! You can look at some pics over there at Septime publishing house.

Freitag, 13. März 2015

Wie alt ist Spenser?

Ich habe für dieses Lesejahr unter anderem vor, mir noch einmal gemütlich die Spenser-Krimis von Robert B. Parker reinzuziehen - und dabei will ich diesmal auf eine zeitliche Einordnung achten. Nicht mit wissenschaftlicher Akribie, die Lektüre soll ja vor allem Spaß machen, aber wenn mir etwas auffällt, will ich es markieren.

Die ersten drei Romane habe ich im Januar und Februar gelesen, in dieser schönen Taschenbuchausgabe, die inzwischen auch schon zwanzig Jahre auf dem Buckel hat:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Taschenbuch, 518 Seiten. Penguin, 1994)

  • THE GODWULF MANUSCRIPT (1974) spielt im Spätherbst und Winter: "Flakes of the season's first snow flattened out against [the window]", page 7. Spenser "[gets] up towards forty", page 71. Auf page 101 schmaucht er eine Zigarre; das wird noch wichtig sein, weil er in späteren Romanen gern erzählt, seit wie vielen Jahren er nicht mehr raucht.
  • GOD SAVE THE CHILD (1974) beginnt im "September after Labor Day", page 181, also in der ersten Hälfte des Monats. Spenser ist "thirty-seven", page 190. Ha, eine eindeutige Angabe!
  • MORTAL STAKES (1975) spielt zur "summertime", page 351.

Wenn wir der Einfachheit halber davon ausgehen, dass die Fälle in chronologischer Reihenfolge erzählt werden, und ich erinnere keine ausdrückliche erwähnte Ausnahme oder auffallende Abweichung, dann ist Spenser im ersten Band 36 Jahre alt und im dritten Band  37 oder 38 - je nachdem, wann er Geburtstag hat.

Zwischen den ersten drei Fällen ist jeweils rund ein Jahr vergangen, Minimum; hochgerechnet auf den letzten, 2011 posthum erschienenen Roman SIXKILL (den ich noch gar nicht gelesen habe, Donnerwetter!) ergibt das vorläufig ein Alter von rund 74 Jahren für unseren verwitterten Helden.

Hübsch.

Mal sehen, wie das mit dem chronologischen Lesen weitergeht! Bei den nächsten Romanen möchte ich zusätzlich darauf achten, ob sich aufgrund bestimmter Details feste Jahreszahlen zuordnen lassen.


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English summary for foreign readers: This year I'm rereading again the Spenser novels by Robert B. Parker and I'm trying to do two things while reading - a) to synchronize the storyline with real history and b) to determine Spenser's age for every novel.

Montag, 9. März 2015

Saturday Is For Adventure

Der Samstag ist fürs Abenteuer, wie manche Amerikaner so gern sagen. Mein Abenteuer am vergangenen Samstag war dieses hier:


Drei wunderbar spielfreudige Bands, die sich alle selig geschafft haben:







Himmel, war es wirklich anderthalb Jahre her, dass ich, wie mein großer Sohn und ich im Bassy rekonstruierten, zuletzt auf einem Konzert gewesen bin?

Ja, leider. Nicht zu fassen - meine längste Livemusik-Pause, seit ich volljährig bin.

Das will ich in diesem Jahr aber wieder anders machen!


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(Herzlichen Dank unbekannterweise an Betrunkenimkiez, der das Ganze mitgeschnitten hat. Geht mal auf seinen Kanal, da gibt's noch mehr!)

Mittwoch, 4. März 2015

Eingetrudelt: die Taschenbuchausgabe von Kirsty McKay, UNTOT - LAUF, SOLANGE DU NOCH KANNST

Gestern kamen Belegexemplare einer Lizenzausgabe an, von der ich noch gar nichts gewusst hatte:

(Bildquelle: Carlsen)

Umschlagtext

"Mr Taylor reißt den Kopf nach oben. Er sieht uns. Dann stößt er ein langes Ächzen aus, streckt die Hände vor und kommt direkt auf den Bus zugewankt. Er wirkt ... hungrig."

Endlich ist dieser grässliche Skiausflug mit ihren noch grässlicheren Mitschülern vorbei. Ein letzter Pausenstopp, dann hat Bobby es hinter sich. So lange wartet sie mit Smitty im Bus auf die anderen. Aber die anderen kommen nicht, die anderen sind tot - irgendwie. Alice hat es gesehen und dreht vollkommen durch. Denn plötzlich torkeln jede Menge Tote durch den Schnee. Hungrige Tote. Schöne Scheiße. Sie müssen hier weg und zwar schnell! Doch draußen ist es einsam und dunkel, ein Sturm tobt und die Handys funktionieren auch nicht ...

Blutig, witzig, schnell - ein echter Pageturner!

"Blutig, witzig, schnell" trifft es, ausnahmsweise für einen Klappentext, sehr gut. Die Übersetzung vor drei Jahren hat mir einen Riesenspaß gemacht, und in unserer Straße wohnt eine Lehrerin, die sich bei der Schilderung dieser höchst misslungenen Klassenfahrt schier weggeschmissen hat vor Lachen ...

Ist außerdem eines der Lieblingsbücher unseres Zwölfjährigen!

Mehr zum Buch drüben beim Verlag

Kirsty McKay hat übrigens gerade einen neuen Jugendroman abgeliefert, diesmal keine Zombiestory, sondern einen Thriller. Den übersetze ich demnächst und natürlich wieder für Chicken House.


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English summary for foreign readers: Yesterday the postman brought the copies of the pocket edition of UNTOT - LAUF SOLANGE DU NOCH KANNST (Undead) by Kirsty McKay which I translated three years ago. In spring, I will translate her new book, a thriller without zombies and a classical whodunit.

Sonntag, 1. März 2015

Übersetzungs-Gewinnspiel [beendet]

So, liebe Leute, dann wollen wir mal!

Neulich sind die Belegexemplare meiner Übersetzung von Tim O'Rourkes FLASHES eingetrudelt:


Die könnt ihr jetzt gewinnen!

Das Spiel geht so:

1. Ich stelle eine Textstelle aus dem Original ein.

2. Die sollt ihr übersetzen! Und zwar frisch und frei von der Leber weg, ohne große Skrupel, denn

3. Wer mir als erstes seine Übersetzung unten in die Kommentare stellt, hat sich damit ein Buch verdient!

Dann geht das Spiel wieder von vorne los - maximal so lange, bis alle Exemplare weg sind.

Es geht also nicht darum, möglichst toll und perfekt zu übersetzen - das wäre auch schwierig, weil ihr ja gar keine Möglichkeit habt, euch groß auf den Klang des Autors einzuschwingen.

Es geht einfach nur darum, es selber mal mutig mit dem Übersetzen zu versuchen und sich dann mit dem Text zu vergleichen, wie er jetzt in der deutschen Ausgabe steht.

Dabei lernen wir vielleicht alle was, denn wer weiß, vielleicht ist eure spontane Lösung dann ja sogar besser als die von mir gewählte und vom Lektorat für gut befundene? Ich bin gespannt!

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Okay, vorab noch zwei Infomöglichkeiten:

Wer durch irgendwelche Links heute zum ersten Mal hier gelandet ist, möchte vielleicht wissen, was das überhaupt für ein Buch ist. Das lässt sich hier im Blog nachlesen.

Wer sich vorab ein bisschen auf den Klang einschwingen will, kann auf die Verlagsseite gehen und die Leseprobe anklicken. Die öffnet sich, wenn ihr unter dem Cover den kleinen Buch-Button anklickt. Es sind immerhin die ersten vier Kapitel.

Alles klar soweit? Dann los! Macht euch schon mal schlau, während ich die erste Textstelle auswähle ...

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Erstes Gewinn-Exemplar, erste Textstelle. Charley hat sich gerade in der Schule nach einem Anfall auf der Mädchentoilette ins Waschbecken erbrochen. Eine Klassenkameradin kommt rein:

"What's wrong?" Lucy [...] asked, dropping her bag to the floor and rushing to my aid.

"Aw, it's nothing," I told her.

"That's crap, Charley, and you know it," she said. "I've known you since primary school and you've always suffered from headaches. My mum reckons you've got a tumor."

"Thanks," I said, rubbing my temples. "Cheer me up, why don't you?"

Dann legt mal los! Wer traut sich?

Markus "Pogopuschel" Mäurer hat sich getraut:

»Was ist los?«, fragte Lucy, während sie ihre Tasche auf den Boden fallen ließ und mir zur Hilfe eilte.

»Ach, es ist nichts«, antwortete ich ihr.

»Das ist Blödsinn, Charley, und das weißt du«, entgegnete sie. »Ich kenne dich seit der Grundschule, und du hattest schon immer Kopfschmerzen. Meine Mum meint, dass du einen Tumor hast.«

»Danke«, sagte ich und rieb mir die Schläfen. »Heiter mich nur weiter so auf.«

Das läuft natürlich gut rund; kein Wunder bei einem inzwischen professionellen Fernsehübersetzer. Und "Heiter mich nur weiter so auf" hat was. Hier zum Vergleich die deutsche Ausgabe, Seite 57:

"Was hast du denn?", fragte Lucy, ließ ihren Rucksack zu Boden fallen und eilte mir zu Hilfe.

"Ach, nichts weiter."

"Das ist Blödsinn und das weißt du selber. Ich kenne dich seit der Grundschule und du hattest schon immer diese Kopfschmerzattacken. Meine Mum sagt, du hast bestimmt einen Tumor."

"Na vielen Dank auch." Ich rieb mir die Schläfen. "Das macht mir richtig Mut."

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Gewinn-Exemplar Nr. 2, zweite Textstelle - jetzt mal ein bisschen schlichte Beschreibung. Der Kriminalpolizist Tom kommt nach einem spontanen privaten Ausflug einigermaßen verdreckt auf der Arbeit an:

I arrived at the police station with just over ten minutes to spare. I'd stopped off at home to change out of my jeans. But my smart work shoes no longer gleamed; they were caked with mud from where I had been trampling up and down the dirt track with Charley. The hems of my trousers were flecked with mud.

Ihr seid dran. Wer traut sich als Nächstes?

Moyashi hat sich getraut, und zwar ohne Übersetzerin zu sein - super! So lobe ich mir das. Hier ihre deutsche Fassung:

Ich erreichte das Polizeipräsidium zehn Minuten vor der Zeit. Zuvor hatte ich einen kurzen Stopp daheim gemacht um meine Jeans zu wechseln. Meine modischen Arbeitsschuhe hatten allerdings inzwischen ihren Glanz verloren und sie waren, nach dem Marsch mit Charly über den schlammigen Pfad, mit Dreck verkrustet. Am Saum meiner Hosenbeine klebten schmutzige Flecken.

"Zehn Minuten vor der Zeit" gefällt mir! - Und hier die deutsche Fassung, wie sie im Buch auf Seite 167 steht:

Als ich auf dem Revier ankam, blieben mir gerade noch zehn Minuten bis zum Schichtbeginn. Ich hatte zu Hause nur rasch die Jeans gegen eine andere Hose ausgetauscht. Aber meine guten Schuhe für die Arbeit glänzten nicht mehr, sondern waren nach meinem kleinen Ausflug mit Charley über und über mit Schlammkrusten bedeckt. Die Hosenbeine waren am Saum schon wieder voller Flecken.

Ihr seht, die Frage, wie die Sätze im Deutschen laufen sollen, ist zu einem Großteil Gefühlssache. Manchmal gelingt es mir, Sätze im Deutschen kürzer laufen zu lassen als im Original, manchmal verlängere ich sie mit Absicht, wie hier den ersten Satz, damit der Druck, unter dem Tom steht, besser spürbar wird.

Andere Übersetzer entscheiden solche Gewichtungen vielleicht genau andersrum, und schon wirkt alles auf den ersten Blick ganz unterschiedlich. Auf den zweiten Blick ist dann wichtig, dass der Sound stimmt - und das kann in den unterschiedlichsten Varianten der Fall sein.

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Gewinn-Exemplar Nr. 3, dritte Textstelle - eine Vision während Charleys "Blitzen":

Flash! Flash! Flash!

I saw a black leather purse.

Flash!

"Do you want a lift?" A man's voice whispered in my ear.

Flash! Flash!

Trust me.

Flash!

Get in, love.

Flash! Flash! Flash!

The sound of a car door opening. The same car as before.

Wer wagt's?

Kallias von Zettels Raum war der Schnellste:

Blitz! Blitz! Blitz!

Eine schwarze Ledertasche.

Blitz!

"Soll ich dich mitnehmen?" Eine Männerstimme dicht an meinem Ohr.

Blitz! Blitz!

Vertrau mir.

Blitz!

Steig ein, Kleine.

Blitz! Blitz! Blitz!

Eine Autotür sprang auf. Das gleiche Auto wie zuvor.

Da sind einige sehr schöne Lösungen drin! - Hier meine deutsche Fassung:

Blitz! Blitz! Blitz!

Ich sah ein schwarzes Portemonnaie aus Leder.

Blitz!

"Möchtest du mitfahren?", flüsterte mir ein Mann ins Ohr.

Blitz! Blitz!

"Vertrau mir."

Blitz!

"Steig ein, Mädchen."

Blitz! Blitz! Blitz!

Die Tür eines Wagens wurde geöffnet. Dasselbe Auto wie zuvor.

Kallias' "Eine Autotür sprang auf" gefällt mir viel besser als meine Lösung; das muss ich echt sagen.

Dass es sich bei der "purse" um eine Geldbörse handelt, wird erst im weiteren Zusammenhang deutlich. Und dass die Lektorin und ich bei der wörtlichen Rede die Anführungszeichen durchgezogen haben, hat immer etwas mit nachvollziehbarer Stilistik zu tun; die ist im Jugendbuch wichtiger als das Schreiben wie Anfühlen, das im Erwachsenenbuch gern mal verwendet wird.

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Gewinn-Exemplar Nr. 4, vierte Textstelle - auf dem Polizeirevier. Ein Streit unter Kollegen, und im nächsten Moment kommt der Chef rein:

"What's that supposed to mean?" Jackson hissed.

Before I've had the chance to explain what I meant, and I wasn't sure that I could, the door to the locker room flew open. Harker stood in the open doorway, his face ashen and his cold eyes boring into mine.

Pointing a finger at me, he said, "You, my office, now!"

Na, wer diesmal? Sollte eine gewisse Kommentatorin ;-) es schaffen? Wir sind gespannt!

(Zwischenbemerkung. Weil mir schon mehrere Leute gesagt/gemailt haben, wie viel runder meine Sätze klingen würden: Lasst euch davon bloß nicht entmutigen! Ich hatte diverse Vorteile - mehr Zeit als Allererstes, und außerdem seht ihr die Stellen oben ja so, wie sie nach Lektorat und Korrektorat aussehen.)

So, Maike Claußnitzer hat das Exemplar ergattert:

"Was soll das denn heißen?", zischte Jackson.

Doch bevor ich Gelegenheit hatte, zu erklären, was ich meinte - nicht, dass ich mir sicher gewesen wäre, dazu überhaupt in der Lage zu sein! - flog die Tür zur Umkleide auf. Harker stand mit aschfahlem Gesicht auf der Schwelle und sah mir mit kaltem, stechendem Blick unverwandt in die Augen.

Den ausgestreckten Finger auf mich gerichtet sagte er: "Du. Ab in mein Büro. Sofort."

Da sind auch einige schöne Lösungen drin; die schlichte "Umkleide" gefällt mir. Hier meine Übersetzung:

"Was soll das denn heißen?"

Bevor ich es näher ausführen konnte - und ich war mir nicht sicher, ob ich das überhaupt konnte -, flog die Tür zum Umkleideraum auf. Harker stand im Flur, das Gesicht aschgrau, und starrte mich aus kalten Augen an.

Er stieß einen Finger in meine Richtung. "Sie, in mein Büro, sofort!"

Das "zischte Jackson" konnte ich natürlich nur weglassen, weil im Zusammenhang des vollständigen Dialogs klar ist, wer spricht.

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Gewinn-Exemplar Nr. 5, fünfte Textstelle - sie erklärt sich von selbst:

Sleep hadn't come easy, so I had spent most of the night playing The Last of Us on the PS3 until I finally crashed out at around seven a.m. Childish I know, but a good way to unleash my frustrations and anger. Each zombie I shot, I pretended it was Jackson.

Inzwischen arbeiten ja schon mehrere Leute parallel - also nicht lange zaudern, sondern frisch, frech, fröhlich und frei raushauen!

Rums, das ging schnell! Pbcat hat nach glatten fünf Minuten das Rennen gemacht:

Ich konnte einfach nicht einschlafen, daher spielte ich den Großteil der Nacht "The Last of Us" auf der PS3, bis ich endlich gegen sieben Uhr früh einnickte. Natürlich war das kindisch, aber auch eine gute Art, um meinen Frust und meinen Zorn abzureagieren. Bei jedem Zombie, den ich erschoss, bildete ich mir ein, er wäre Jackson.

Den ersten Satz in die einfache Vergangenheit zu setzen, ist sehr elegant; die Zeiten sortiere ich auch immer gern beim Übersetzen. Bei meiner Lösung habe ich allerdings darauf verzichtet, einfach weil es ein Kapitelanfang ist. Das konntet ihr natürlich nicht wissen:

An Schlaf war nicht zu denken gewesen und so hatte ich den Großteil der Nacht damit verbracht, auf der PS3 The Last of Us zu zocken. Kindisch, ich weiß, aber eine gute Möglichkeit, Frust und Wut abzubauen. Bei jedem Zombie, den ich abknallte, dachte ich an Jackson.

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Gewinn-Exemplar Nr. 6, sechste Textstelle - die fand ich aus diversen Gründen ganz schön tückisch, aber macht mal einfach! Locker gewinnt. Hier:

"C'mon!" I screamed, pounding the steering wheel with my fist.

The snow was falling so heavily now that everything was obscured by a white blur. The car slipped forward, every few yards the back wheels spinning against the slippery road. I eased my foot down on the accelerator, desperate to keep pushing on as fast as I could in the direction of the derelict house.

Katharina Glyck hat's locker gemacht:

"Ach komm schon!“ schrie ich, während ich mit der Faust auf's Lenkrad einschlug.

Der Schnee fiel mittlerweile so dicht dass alles in einem weißen Schleier verschwand. Das Auto rutschte vorwärts, alle paar Meter drehten die Hinterräder auf der rutschigen Straße durch. Vorsichtig trat ich das Gaspedal weiter durch, verzweifelt versuchend weiter voran zu kommen auf dem Weg zum Abbruchhaus.

Meine Variante im gedruckten Buch:

"Nun mach schon!", rief ich und schlug mit der Faust aufs Lenkrad.

Der Schnee fiel jetzt so dicht, dass alles hinter den Flocken verschwand. Der Wagen schlitterte auf der glatten Straße mehr, als dass er fuhr. Aber da ich so schnell wie möglich zu dem verfallenen Haus kommen wollte, ging ich auch nicht vom Gas.

Ihr seht, ich habe das sehr frei übersetzt und Tempo gemacht, analog zur Handlung.

Was fand ich tückisch an der Stelle?

Erstens das schöne Wörtchen "blur" - mit dem stehe ich auf Kriegsfuß. Es gab noch keine einzige Stelle in meinen Übersetzungen, wo ich dieses Substantiv einfach aus dem Kopf übersetzen konnte. Oft löse ich es in eine Handlung auf oder wie hier in eine konkretere Bezeichnung.

Zweitens läuft im Deutschen die Erzählweise oft anders als im Englischen. Was der Autor im letzten Satz als Nachklapp liefert, den Grund nämlich, sich so zu beeilen, stellen wir im Deutschen oft lieber voran.


(19 Uhr 30 - Ich gehe für den Rest des Sonntagabends offline. Morgen kommt die nächste Textstelle ...)

(02.03., 8 Uhr 20 - Weiter geht's ...)

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Gewinn-Exemplar Nr. 7, siebte Textstelle - der Polizist Tom sitzt in seinem Auto und zaudert, mit seinem Handy einen bestimmten Anruf zu machen:

For God's sake, Tom, grow some balls, I heard my father whisper as if sitting on the back seat.

And however much the memory of his voice got my back up, he was right - I needed to grow some and fast.

Na, wer kommt zum Zuge? Vielleicht geht ja diesmal Erling Plaethe oder Dani Schwarz als Erstes durchs Ziel? Oder jemand ganz Neues?

Ein alter Bekannter aus der Science-Fiction-Szene war's - Michael Baumgartner. Und er macht richtig gut Tempo:

Um Himmels willen, Tom, du brauchst Eier. Ich konnte die Stimme meines Vaters hören, als säße er auf dem Rücksitz.

Wiewohl es mir bei der Erinnerung an seine Stimme kalt den Rücken herunterlief, er hatte recht. Ich brauchte Eier, und das schnell.

Ja, die direkte Übersetzung von "balls" mit "Eiern" hört man in den letzten Jahren immer öfter. Ich schrecke da zumeist vor zurück, obwohl es hier durchaus eine angemessene Lösung ist. Meine Variante geht so:

Herrgott, Tom, nun bring doch mal ein bisschen Mumm auf, hörte ich meinen Vater flüstern, als würde er auf der Rückbank sitzen.

Und sosehr sich mir bei der Erinnerung an seine Stimme auch die Nackenhaare sträubten - ich musste unbedingt welchen aufbringen, und zwar schnell.

***

Gewinn-Exemplar Nr. 8, achte Textstelle - wo wir gerade beim Thema telefonieren waren, derselbe Kripobeamte, ein anderes Gespräch. Die Kollegin aus einer anderen Abteilung zögert, ihm etwas zu sagen. Ach ja, er kennt sie von der Ausbildung her, sie duzen sich also:

"Go on", I said, gripping the phone so tightly I heard my knuckles crack.

"Keep this between you and me, okay, because I don't want to get him any trouble, or anything," she said.

"Get who into any trouble?"

"You know, that tall guy from CID, the one who loves himself [...]"

Wer will? Ein Tipp: lockerer Dialog ist gefragt, also löst das lieber knackig als wortgetreu!

Ulrich Elkmann von Zettels Raum wollte - und war schnell, sowohl beim Übersetzen als auch im Dialog:

"Und weiter?" sagte ich, den Apparat* so fest in der Hand, daß die Knöchel knackten.

"Das bleibt zwischen uns. Ich will nicht, daß er Ärger kriegt, oder sonstwas", sagte sie.

"Wer soll Ärger kriegen?"

"Du weißt schon, der lange Kerl von der Kripo, der sich für den Größten hält..."

(* oder "den Hörer", falls es sich um einen Festnetzanschluß handelt)

Ha! So geht's! Bei mir liest sich die Stelle wie folgt:

"Sag schon." Meine Finger schlossen sich so fest um den Hörer, dass die Knöchel knackten.

"Das bleibt aber unter uns, okay? Ich will nicht, dass er meinetwegen Ärger bekommt oder so."

"Wer denn?"

"Na, dieser Großkotz von der Kripo [...]"

***

Gewinn-Exemplar Nr. 9, vorletzte Textstelle - jetzt quäle ich euch mal mit ein bisschen mehr Text und zugleich mit Aktion und Beschreibung. Charley ist in ihr Zimmer eingeschlossen:

 [P]ushing the window open, I swung one leg out over the window ledge. Turning onto my stomach, I pushed the other leg out and hung precariously out of the window. If my father were to come home now he'd probably think I wanted to do myself in, or had gone totally mad at the very least. I lowered myself out of the window, the wind howling about the eaves and blowing snow into my face. I felt the tips of my trainers touch the roof of the porch above the front door. I hoped it would support me. Carefully, I eased myself down until all my weight was on it, then reached up and pushed my window close.

I jumped down into the snow, landing with a heavy thud and rolling over onto my back. I'd winded myself, but that was the worst of it.

Na, will irgendjemand?

Ulrich Elkmann wollte noch ein zweites Mal - allerdings außer Konkurrenz. Da keine alternative Übersetzung reinkam, hier seine:

Ich schob das Fenster hoch und hob ein Bein über das Fensterbrett. Ich drehte mich auf den Bauch, zog das andere Bein nach draußen und hing im unsicheren Gleichgewicht. Wenn mein Vater jetzt nach Hause gekommen wäre, hätte er mich bestimmt für eine Selbstmordkandidatin oder mindestens völlig durchgekallt gehalten. Ich ließ mich tiefer hinab, während der Wind um den Dachvorprung heulte und mir Schnee ins Gesicht trieb. Ich merkte, daß meine Sportschuhe das Vordach über dem Eingang berührten. Ich hoffte, daß es mein Gewicht aushalten würde. Vorsichtig ließ ich weiter nach, bis ich ganz darauf stand. Dann griff ich nach oben und schob das Fenster zu.

Ich sprang in den Schnee hinunter, landete mit hefigem Aufschlag und rollte auf den Rücken. Ich war außer Atem, aber das war auch alles.

Ja, was man mit den verflixten Fenstern macht, ist immer wieder ein Problem :-) In manchen Ländern sind es nach oben zu öffnende Schiebefenstern, in den USA etwa, in anderen gehen sie nach innen auf wie bei uns in Deutschland, in wieder anderen nach draußen - so habe ich das in England und Schweden erlebt.

Meine Lösung, wie sie jetzt im Buch steht:

[Ich stieß] das Fenster auf und kletterte nach draußen. Ich drehte mich auf den Bauch und ließ mich vorsichtig nach unten gleiten, während mir der Wind Schnee ins Gesicht wirbelte. Wenn mein Vater jetzt zufällig nach Hause kam, dachte er wahrscheinlich, ich wolle mich umbringen oder hätte zumindest endgültig den Verstand verloren. Die Spitzen meiner Turnschuhe berührten das Dach der Veranda. Hoffentlich trug es mich. Ich verlagerte langsam mein Gewicht, bis ich wieder auf beiden Füßen stand, dann griff ich nach oben und drückte das Fenster wieder zu.

Ich sprang runter in den Schnee, kam hart auf und rollte auf den Rücken. Es hatte mir den Atem verschlagen, aber das war auch schon alles.

Ihr seht wieder, bei Abläufen übersetze ich gern frei, um flüssig und nachvollziehbar zu bleiben - ich folge lieber der Erzählung als dem Satzbau. Und unwichtige Einzelheiten lasse ich gern weg, um dicht bei der Figur zu bleiben - dass Charley sich ausgerechnet über der Haustür auf das Verandadach herunterlässt, brauchen wir hier nicht (was ihr da draußen nicht wissen konntet), und im Englischen kann man das mit den "eaves" locker nebenbei einbauen, aber im Deutschen werden da gleich völlig sperrige "Dachvorsprünge" draus, um Himmels willen! Da mache ich dann, weil ich gern die Kürze des Originals halte, ein "ums Dach" draus oder lasse es wie in diesem Fall gleich ganz weg.

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Noch einmal Gewinn-Exemplar Nr. 9, jetzt die zehnte Textstelle - hier kommt noch ein schöner Dialog. Zwei Kripomänner streiten sich nach einem Verhör über den Verdächtigen:

"Give me a break, that's just an act [...] You don't really buy the tears and the snivelling do you? That's not a result of him crying, that's from all the shit he's snorted up his nose. The guy's a drug addict, for Christ's sake."

"He does a bit of blow [...] He's not on crack."

"I couldn't give a toss if he's stuffing Smarties up his nose and shooting Sherbet Dips through his veins. What matters to me is what happened to that girl last night."

Eine wunderbare Stelle zum Austoben - haut rein!

Aber Beiträge außer Konkurrenz diesmal bitte nur, nachdem jemand, der gewinnen möchte, seine Variante eingestellt hat, okay?

S. hat reingehauen und sich ausgetobt:

„Mach mal halblang, das ist doch nur Show […] Du kaufst ihm doch nicht wirklich die Krokodilstränen und die Rotzspuren ab, oder? Die kommen nicht vom Flennen sondern von dem ganzen Dreck, den er sich durch die Nase gezogen hat. Das ist ein gottverdammter Junkie.“

„Er raucht ein bisschen Gras, ist aber noch lange kein Crackhead.“

„Ist mir piepegal, ob er Smarties schnupft oder sich Brause durch die Adern jagt. Was mich besorgt macht ist das Schicksal des Mädchens von letzter Nacht.“

Meine Version, wie sie im Buch steht:

"Jetzt hören Sie aber auf, das ist doch alles nur Show! [...] Sie nehmen ihm doch nicht ernsthaft die Tränen und das Rumgeschniefe ab, oder? Das kommt nur von dem ganzen Dreck, den er sich in die Nase gezogen hat. Der Junge ist drogensüchtig, Herrgott noch mal."

"Der ist doch nicht auf Crack. Er kifft ein bisschen."

"Von mir aus kann er sich auch Smarties die Nase hochschieben oder sich Brausepulver in die Venen jagen. Mich interessiert nur, was gestern Nacht diesem Mädchen zugestoßen ist."

Das war jetzt wieder ein schönes Beispiel für verschiedene Lösungen aufgrund verschiedener Sprechweisen!

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Gewinn-Exemplar Nr. 10, letzte Textstelle - zum krönenden Abschluss eine Stelle, die vom Verständnis her supereinfach ist, mit der ich aber trotzdem nicht so gut zurechtgekommen bin:

[...]  when my phone buzzed. I yanked it out of my pocket. One new message. I opened it.

Charley, help me!

I reread the message, mouth dry and tasting of road kill. Where had that taste come from?

Na? Wie löst ihr das spontan?

Lucardus löst es so:

[...] als mein Handy brummte, riss ich es aus der Tasche. Eine neue Nachricht. Ich las sie.

Charley, hilf mir!

Ich las sie nochmal. Trockener Mund, überfahrenes Viehzeug auf der Zunge. Woher kam dieser Geschmack?

Gefällt mir! "Tastes like roadkill" ist eine neue Redewendung, die sich gerade immer mehr verbreitet; auf Englisch so schön knackig, auf Deutsch umständlich. Meine Lösung im Buch geht so:

[...] da vibrierte mein Handy. Rasch zog ich es aus der Tasche. Eine neue Nachricht. Ich öffnete sie.

Charley, hilf mir!

Mein Mund war trocken und ich hatte plötzlich den Geschmack von totem Tier am Straßenrand auf der Zunge. Wo kam der bloß her?

Ihr seht, das "reread" habe ich weggelassen, zum Einen um Platz für meine umständliche "roadkill"-Übersetzung zu schaffen, zum Anderen, wie erzählenswert ist der Vorgang, auf einen Drei-Wort-Satz zu starren?

Lucardus' Variante gefällt mir deutlich besser. Tatsächlich ein krönender Abschluss!

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Wer noch was zu bequatschen hat - immer munter in die Kommentare damit!


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English summary for foreign readers: I gave away ten of my eleven specimen copies of ICH SEHE WAS, WAS NIEMAND SIEHT (FLASHES) by Tim O'Rourke. To get one, people had to translate some sentences of the original book into German and then could match it with my translation. It was fun! And I think we all learned a bit. I definitely did.