Dienstag, 24. Juni 2014

Sendepause

Hier herrscht Sendepause.

Weil ich immer noch an meinem NEO 76 schreibe.

Wir lesen uns im Juli wieder!

In der Zwischenzeit könnt ihr unten mein Credo als Autor finden, das der große französische Comickünstler Francois Bourgeon einmal wunderschön knackig zusammengefasst hat:

Ich möchte ganz einfach, dass die Leute, wenn sie meine Bücher nach der Lektüre zuklappen, besser gelaunt sind als vorher.

Amen!


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(aus einem Interview in Alfonz 1/2013, S. 34)

Sonntag, 15. Juni 2014

Nur um das einmal festzuhalten

Im Juli mache ich einmal wieder eine Lesung, und zwar erstmals im geschätzten Otherland und erstmals gemeinsam mit dem geschätzten Kollegen Boris Koch.

Mehr erfahrt ihr hier nicht, weil es sich um eine geschlossene Veranstaltung handeln wird, nämlich um einen Schulausflug des geschätzten Mit-SF-Dinner-Gängers Rene Nowotny, der im bürgerlichen Leben ja Lehrer für Deutsch, Kunst und Sport ist.

Dienstag, 10. Juni 2014

Kurd-Laßwitz-Preis: Warum an den Hörspielregeln geschraubt werden sollte

Vor zwei Monaten habe ich ganz schön über die Hörspieljury des deutschen Science-Fiction-Preises der Profis geätzt:

Abschaffen! Das ist doch bloß noch ein Zirkel, der sich einen darauf runterholt, persönlichen Umgang mit den Hörspielmachern des öffentlichen Rundfunks zu pflegen - mehr nicht

schrieb ich Ende März hier im Blog, und Preis-Treuhänder Udo Klotz verwehrte sich verständlicherweise dagegen. Die Antwort bin ich ihm noch schuldig.


Also: Ich halte die Argumentation pro Hörspieljury, die inzwischen seit Jahren verwendet wird, als Mantra geradezu, aus mehreren Gründen für falsch. Sowohl inhaltlich, als auch von der Wirkung her.

Vorab eine Klärung der Parteilichkeit.

Aus einer E-Mail, die ich nach meiner Ätzerei erhielt:

Vergleiche mal die Preisträger mit den heutigen Verlagshörspielen, hör sie Dir wirklich an (soweit zugänglich), dann kannst Du vielleicht nachvollziehen, was die Jury bei den kommerziellen Hörspielen vermisst. Oder lies die Hörspielrezensionen im Heyne SF Jahrbuch, da schreiben einige der Juroren mit.

Dazu kann ich sagen, dass ich das überhaupt nicht will. Ich höre nämlich gar keine Hörspiele.

Deshalb bin ich vielleicht auch genau der Richtige, um eine Kritik an der Struktur anzubringen - ich gehöre weder der einen noch der anderen Hörspielhörer-Schule an; mir geht diese Erzählform völlig am Allerwertesten vorbei.


Ansonsten ist das natürlich der arg bequeme Vorwurf, dass die Kritiker keine Ahnung haben. Wie gesagt, den Schuh ziehe ich persönlich mir gerne an, siehe oben.

Allerdings gibt es auch Kritiker, die nachweislich Ahnung haben, Markus "Pogopuschel" Mäurer zum Beispiel.

Und dann gibt es ja gelegentlich auch den märchenhaften völlig schimmerlosen Knaben, der als Einziger sieht, dass der Kaiser nackig ist, während die Ahnunghaber eifrig dessen neuen Kleider bewundern.


Soviel zum Vorgeplänkel. Jetzt zur Sache. Seit mindestens vier Jahren läuft die Argumentationslinie wie folgt; ich zitiere Udo Klotz, wie er sich 2010 im SF-Forum geäußert hat:

Die Statuten werden sofort angepasst, wenn mal ein Hörspiel auftaucht, dass sich mit den bisherigen Preisträgern messen kann und nicht über einen Rundfunk produziert und ausgestrahlt wurde. Es ist und war nie das Ziel des KLP, hier was aus formalen Gründen auszuschließen. Aber "Verlags-Hörspiele" sind leider sehr kommerzielle Produkte. Das heißt, zwar handwerklich gut gemacht, aber ohne das Besondere, Herausragende, manchmal Experimentelle und den Hörer fordernde, das im Rundfunk (früher mehr als heute) gemacht wird, und das die Hörspiel-Fans am Radio erwarten. Sorry, das klingt vielleicht überheblich, aber es liegen zwischen den CDs im Buchhandel und den prämierten Austrahlungen im Rundfunk noch Welten.
Wer letzteres noch nie gehört hat, wird das nicht nachvollziehen können. Interessanterweise [zählen] fast alle, die das Einbeziehen der Verlags-Hörspiele anmahnen, zu diesen "Nicht-Hörern".

Durchgelesen? Sacken gelassen?

Gut. Jetzt ich.


Erstens - An den Hörspielregeln sollte geschraubt werden, weil auch sogenannte nichtkommerzielle Kunst bestimmten Marktvorgaben gehorcht.

Es ist halt nur ein anderer Markt - und ich kenne ihn gut. In meinem Fall das Segment der ernsthaften Literatur, hier: Stipendien, Literaturpreise etc.

In den 1990er Jahren gab es hier in Berlin einen Kollegen, mir persönlich bekannt, der hat Stipendiumsanträge aufgemotzt. Du wirst immer abgelehnt? Dann geh doch zu X.! Er hat dann oft was gerissen, gegen zehn Prozent von der Förderungssumme als Erfolgsbeteiligung.

Hat er den Text, das Kunstwerk verbessert?

Nein. Er hat einfach bloß den eigentlichen Antrag so formuliert, dass die richtigen Reizwörter für die Jury dringewesen sind.

Er hat sich darauf verstanden, den armen, von Finanznöten geplagten, anstragstellenden Künstler gut zu verkaufen.

Ich würde so etwas durchaus unter dem Aspekt kommerziell verbuchen.

Neulich war ich auf einem Konzert. E-Musik. Für mich lebenslangen Rockmusik-, also U-Musikhörer, ganz normale Kost: ein Sänger, ein Cellist, ein paar Klangschalen. Hätte man auch als Folk verkaufen können, als Weltmusik. Aber es war ja wie gesagt eine E-Veranstaltung. Also hat der Sänger ab und zu mit einem Abakus geklappert. Das war dann "das Besondere, [...], manchmal Experimentelle und den Hörer [F]ordernde", das klarmachte: Hier nix Kommerz, Kumpel. Hier Kunst!

Hätte glatt ein taktischer Vorschlag dieses Stipendiumsanträge frisierenden Berliner Künstlerkollegen sein können.


Zweitens - An den Hörspielregeln sollte geschraubt werden, weil abgeschottete Gruppen zwangsläufig, systembedingt, an Wahrnehmungsverzerrungen leiden.

Darüber können Sozialpsychologen viel erzählen, Stichwort Gruppendenken, ein wirklich hochinteressantes Phänomen, das besonders die Amerikaner erforscht haben, und unter anderem zum Ausgleich dieser Problematik sind in demokratische Strukturen immer die berühmten checks and balances eingebaut.

Das fehlt mir beim Kurd-Laßwitz-Preis. Die Jury ist allmächtig und keiner Kontrolle unterworfen.

Ihr wird seit Jahren vorgeworfen, sowohl aus dem Kreis der Abstimmungsberechtigten als auch des allgemeinen Publikums, nicht mehr zwischen Kunst und, ich sag's mal auf meine scharmante Berliner Art, Kunstkacke unterscheiden zu können.

Und tut mir leid, jede einzelne Reaktion aus dem Dunstkreis der Jury bestätigt diesen Eindruck.

So macht es zum Beispiel diebisch Spaß, im Kopf einmal einen der üblichen Sekten-Checks auf diese Jury umzuformulieren; viele Punkte wären erfüllt. Und, wie es für Sekten immer so schön heißt, schon ein einzelner erfüllter Punkt ist bedenklich.


Drittens - An den Hörspielregeln sollte geschraubt werden, weil der Kurd-Laßwitz-Preis insgesamt in eine Schieflage geraten ist.

In sämtlichen anderen Kategorien besteht keine solche kategorische Unterscheidung zwischen ignorierenswertem Kommerz und hehrer Kunst oder, um die Worte der Jury-Verteidiger abzuwandeln, zwischen dem "zwar handwerklich gut [G]emacht[en]" und dem "Besondere[n], Herausragende[n], manchmal Experimentelle[n] und den [Leser] [F]ordernde[n], das [...] die [Literatur]-Fans [vom Buch] erwarten".

Bei den Büchern gewinnt mal ein Intellektueller, ein Kunstmacher wie Dietmar Dath und mal ein Handwerker, ein Bestsellerautor wie Andreas Eschbach.

Was haben die armen "kommerziellen" Hörspielmacher bloß verbrochen, dass sie von den Preis-Statuten dermaßen abgestraft werden?

Montag, 9. Juni 2014

Gelesen: Jasper Nicolaisen, WINTERAUSTREIBEN (D 2013)

Heute läuft meine Lesenotiz einmal anders, weil auch mein elfjähriger Sohn das Buch gelesen hat. Ihr bekommt also zwei Stimmen zu hören:

Worum geht's?

Frank: Wir erfahren die Wahrheit über den Weihnachtsmann.

Ben: ... und über Knecht Ruprecht!

Wie ist das Buch geschrieben?

Frank: Klassisch dritte Person, einfache Vergangenheit. Es ist ein Mix zwischen Jugend- und Erwachsenenbuch. Der Ton ist ernst, die Figuren reißen aber auch Witze.

Was gefiel nicht so?

Ben: Eigentlich nichts.

Frank: Irgendwann im zweiten oder dritten Drittel hatte ich den Eindruck, Jasper sucht ein bisschen nach seiner Handlung; dort wirkte das Buch fahriger als sonst, wo es sehr straight erzählt ist.

Ben: Ist mir gar nicht aufgefallen ...

Was gefiel?

Ben: Die Idee, die Weihnachtsgeschichte einmal als Science Fiction zu erzählen.

Frank: ... und als Horrorstory! Ich mochte den Schlingerkurs zwischen Jugend- und Erwachsenenbuch, weil ich so weniger sicher sein konnte, was als Nächstes passieren wird. Außerdem gefiel mir sehr, dass jede Figur gute Gründe für ihr Handeln hat - der Schwächling genauso wie die Starke, die Bösen wie die Guten, alles abgestuft, nicht schwarzweiß.

Gute Stelle?

Ben: Seite 96.

Frank: Dort sieht unsere Heldin Mika gerade, wohin es sie nach einem schrecklichen Weihnachtsfest mit der Restfamilie verschlagen hat:

Dicht neben dem Wasserfall - Lavafall, verbesserte sie sich in Gedanken - ragte etwas aus der Felswand. Ein Gebäude. Neben dem enormen Feuerstrom wirkte es winzig, musste aber in Wirklichkeit größer sein als die Hallen, auf die die Kinder zuliefen. Aus der Entfernung erkannte Mika kaum etwas, nur terassenförmig angeordnete Ebenen, die ohne erkennbare Stütze aus der Steilwand ragten, sodass es aussah, als wucherte dort ein Baumpilz mit mehreren tellerförmigen Hüten. In schwarzen Fenstern spiegelte sich der Lavafall. Alice, die Mikas Blick bemerkt hatte, fasste ihre Hand fester. "Guck da nicht so hin", raunte sie ihr im Laufen zu. "Das bringt Unglück. Er kann dich sehen. Er sieht alles."

"Wer denn?", fragte Mika.

"Santa." Alice senkte den Kopf und hielt sich mit der freien Hand die Brille fest. Als sie merkte, dass Mika nicht begriff, schob sie halblaut hinterher: "Der Weihnachtsmann. Das da oben ist sein Kommandobunker."

Zu empfehlen?

Ben: Ja.

Frank: Doch, mir hat es Spaß gemacht! Es ist ein Jammer, dass Verlage grundsätzlich vor solchen Büchern mit unklar abgegrenzten Zielgruppen zurückschrecken!

Wo aufgestöbert?

Frank: Irgendwann saß Jasper auf einen Kaffee bei uns in der Küche, und wir plauderten über Bücher, die wir noch schreiben wollten. Dabei begriffen wir staunend, dass wir beide ganz ähnliche Ideen für ein, hm, alternatives Weihnachtsbuch hatten. Jasper, der Schweinehund, hat es dann gleich geschrieben. Ich nicht, schluchz. - Und noch während ich das Buch gelesen habe, musste ich Bens Versuche abwehren, sich den Reader zu krallen!

Ben: Nein, Frank! Das kommt nicht ins Internet!!!!!!

(Quelle: Fantasyguide)

Und sonst?

Ben: Doofe Frage.

Frank: Na hör mal, die habe ich schon von "Etwas Besonderes aus dem Buch mitgenommen?" zu "Und sonst?" geändert. Was soll denn da noch draus werden?

Ben: Frage wegfallen lassen?

Frank: Das kannste ja später mal in deinem eigenen Blog machen. - Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Roman von Jasper!

Ben: Wenigstens eine gute Antwort auf eine doofe Frage.

Frank: Okay, jetzt reicht's ...

Ben: Trotzdem, ich freue mich auch auf sein nächstes Buch.

Frank: ... und veröffentlicht.


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P.S. Ralf Steinberg hat das Buch auch im Fantasyguide besprochen, siehe dort.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Gelesen: G.F. Unger, DIE AUSGESTOSSENEN (BRD vermutlich 1975)

Worum geht's?

Ich nenne so etwas einen Wir-bauen-eine-Stadt-Roman: Einige Außenseiter nehmen eine Geisterstadt wieder in Besitz und erkunden dabei auch das Rätsel, wo die früheren Gründer abgeblieben sind.

Wie ist das Buch geschrieben?

Dritte Person, Präsens. Ernster Grundton. Karge, punktgenaue Beschreibungen und Hintergrundinfos.

Was gefiel nicht so?

An wenigen Stellen ist mir Ungers Erzählstil, der extrem auf Verständlichkeit getrimmt ist, dann doch zu holzschnitthaft.

Was gefiel?

  • Ungers Westernromane sind Drehbücher fürs Kopfkino.
  • Er hält den Pionier-Ethos hoch, "An sich glauben! Nie aufgeben!", zeigt jedoch auch immer die Abgründe der damaligen Zeit auf.
  • Sein Erzählstil hat bei aller Einfachheit etwas Hochmelodisches.

Gute Stelle?

Ich habe mir keine markiert. Mit dem Daumen reingegriffen, Seite 40:

Am anderen Tage liegt der Schnee wahrhaftig zwei Yard hoch zwischen den Häusern.

Und es schneit weiter, wenn auch nicht mehr so stark. Zeitweilig lichtet sich der weiße Flockenfall so sehr, dass man vom oberen Stockwerk des Saloons auf die anderen Häuser blicken kann.

Nun endlich bekommen die Eingeschlossenen eine Vorstellung von dem Canyon und der Lage des Ortes in diesem.

Der Canyon verläuft von Ost nach West und durchbricht eine Bergekette, welche sich in Süd-Nord-Richtung erhebt.

Es ist ein heller Canyon, keine dunkle Furche. Denn die Sonne wirft stets ihr Licht hinein.

Am Mittag dieses Tages kommt Doc Donovan zu Besuch. Er benutzt indianische Schneeschuhe, aber selbst mit diesen versinkt er bis zu den Knien im Schnee, und er keucht vor Anstrengung.

"Ich dachte mir", sagt er schnaufend, "dass ich dort, wo zwei Frauen sind, ein gutes Mittagessen bekommen werde."

Zu empfehlen?

Aber ja. Ich mag die Romane von G.F. Unger. Er ist nicht umsonst seit Jahrzehnten einer der meistverkauften deutschen Schriftsteller.

Wo aufgestöbert?

Als mir neulich immer wieder der Präsens in meinen Neo-Roman reinrutschte, fiel mir Unger wieder ein, den ich als Junge ab und zu gelesen hatte. Zur Zeit läuft eine Reihe mit Taschenbuch-Nachdrucken in Heftform. Dieses hier habe ich im April gelesen:

(Quelle: Verlag)

Und sonst?

Ich glaube, davon kaufe ich mir noch ab und zu ein Heft! Kurioserweise erscheint immer abwechselnd ein Roman in Ich-Form und einfacher Vergangenheit und einer in dritter Person und Präsens - erstere interessieren mich jedoch nicht.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Titelfindung

Neulich fragte Chefautor Frank Borsch, ob ich denn einen Titelvorschlag für meinen Perry-Rhodan-Neo-Roman hätte.

Hatte ich natürlich. Für mich fängt eine längere Geschichte immer mit dem Titel an - solange ich nicht wenigstens einen einigermaßen guten Arbeitstitel habe, bin ich blockiert. Meist muss ich sogar erst ein Titelbild vor dem geistigen Auge haben.

Ich hatte nicht nur einen Vorschlag, sondern derer drei. Zwei eher poetische Titel -

  • KATZENAUGEN
  • GESCHICHTE EINER KATZE (Reminiszenz an den großen Comic THE TALE OF ONE BAD RAT von Bryan Talbot, auf Deutsch als DIE GESCHICHTE EINER BÖSEN RATTE erschienen)

- und einen sehr plakativen, prosaischen; der war mein Favorit.

Chefautor Borsch entschied sich, ohne das zu wissen, für den plakativ-prosaischen und kündigte an, das so an die Redaktion weiterzugeben.

Gestern dann musste ich lachen. Im Posteingang war eine Mail von Chefredakteur Klaus N. Frick, der fragte, ob ich etwas gegen [hier den plakativ-prosaischen Titel denken] hätte, weil er das sonst gnadenlos draufschreiben würde.

Ich schickte ihm ein Lachgesicht.

Worauf sich Klaus wunderte.

Wie sich dann herausstellte, war exakt derselbe Titel unabhängig auch während eines Brainstormings in der Redaktion aufgekommen, und zwar von Seiten Klaus Bollhöfeners.

"... das ist ja lustig!", mailte ich Klaus Frick. "Lag wohl in der Luft. Umso besser!"

***

Sehr schön jedenfalls, dass sich nach DIE STERNENHORCHER, DAS LAND UNTER DEM TEICH und DIE RATTEN DER JERSEY CITY nun ein vierter von mir favorisierter Titel hat durchsetzen können.

Den verrate ich euch aber noch nicht - muss ja nicht immer ich derjenige sein, der solche Sachen als Erster rauströtet ...

Dienstag, 3. Juni 2014

Gelesen: Daniel Kehlmann, DIE VERMESSUNG DER WELT (D 2005)

Worum geht's?

Um die sehr unterschiedlichen Leben und Ansichten der beiden Wissenschaftler Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß, die Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts unser Weltwissen enorm erweitert haben.

Wie ist das Buch geschrieben?

Es ist ein Roman. Die Sprache ist knapp, dicht, mit winzigen barocken Schnörkeln, vermutlich wenn Kehlmann die Ausdrucksleidenschaft durchgeht. Sämtliche Dialoge sind in indirekte Rede aufgelöst. Das stört aber nicht weiter, sondern sorgt für ironische Distanz zu den Figuren, denen wir ansonsten sehr, sehr nahe sind.

Was gefiel nicht so?

Entfällt

Was gefiel?

  • Die würzige Kürze
  • Die köstliche Gegensätzlichkeit der beiden hochbegabten Helden
  • Das Buch ist lehrreich und lustig und stellenweise sogar spannend.

Gute Stelle?

Ich habe mir zwei markiert, einmal Gauß, einmal Humboldt.

Seite 82, Gauß hat sich gerade beim Barbier einen Zahn ziehen lassen:

Beim Heimgehen mußte er sich an Hauswände lehnen, seine Knie waren weich, seine Füße gehorchten ihm nicht, ihm war schwindlig. Schon in ein paar Jahren würde es Ärzte für das Gebiß geben, dann würde man diese Schmerzen heilen können und bräuchte nicht jeden entzündeten Zahn herauszureißen. Bald würde die Welt nicht mehr voller Zahnloser sein. Auch würde nicht mehr jedermann Pockennarben haben, und keiner würde mehr seine Haare verlieren. Es wunderte ihn, daß außer ihm niemand an diese Dinge dachte. Für die Leute war alles so, wie es gerade war, selbstverständlich.

Seite 109, Humboldt unterwegs, nach einer eindrücklichen Begegnung im Dschungel:

Humboldt fand lange keinen Schlaf. Die Ruderer hörten nicht auf, einander wirre Geschichten zuzuflüstern, die sich in seinem Bewußtsein festsetzten. Und jedesmal, wenn er es doch schaffte, die fliegenden Häuser, bedrohlichen Schlangenfrauen und Kämpfe um Leben und Tod beiseitezuschieben, sah er die Augen des Jaguars. Aufmerksam, klug und ohne Gnade. Dann kam er zu sich und hörte wieder den Regen, die Männer und das ängstliche Knurren des Hundes.

"Aufmerksam, klug und ohne Gnade" - diese Beschreibung eines Blicks wird sich als kleine Reminiszenz demnächst in meinem Roman für Perry Rhodan Neo wiederfinden.

Zu empfehlen?

Aber ja! Ich habe es im April nach sieben Jahren zum zweiten Mal gelesen.

Wo aufgestöbert?

Es war ein Bestseller, der so gar nichts von einem Bestseller hatte: schmales Bändchen, alte Männer in den einleitenden Szenen, indirekte Rede. Das hat mich damals neugierig gemacht.

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Gebunden mit Lesebändchen, 302 Seiten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 42. Auflage Juli 2007, 1023.-1042. Tausend)

Und sonst?

Merkwürdigerweise interessieren mich trotz meiner Begeisterung für die VERMESSUNG Kehlmanns andere Bücher überhaupt nicht.

Montag, 2. Juni 2014

Mal wieder eine Leserreaktion zum COOLEN HUND

Beeindruckend: der souveräne Umgang mit der Sprache und die Leichtigkeit, mit der Frank Böhmert Atmosphäre schafft und Kopfkino auslöst.
Meine Favoriten aus dem durchweg hochwertigen Fundus: "Was Sex ist", "An die Prinzessin der Schulhöfe", "Prometheus und ich"
Hochinteressant: Die Anmerkungen des Autors zu Entstehung und Hintergrund der Texte

... schreibt Ralf Bodemann alias ShockWaveRider drüben im SF-Forum.

Was für ein feiner Start in die Arbeitswoche für diesen Autor hier!

(Quelle: Verlag)

Meinen Gedichtband gibt's auf Papier für'n Fünfer und als eBook für zwofuffzich bei den einschlägigen Anbietern.

Die Verlagsseite findet ihr dort.

Kurd-Laßwitz-Preis 2014 - meine Punktevergabe

Wer sich zuerst die Nominierungen beim deutschen Science-Fiction-Preis der Profis ansehen möchte, siehe dort.

Ich habe wie folgt abgestimmt:

Bester Roman
  • kein Preis - 5 Punkte

(Beste Erzählung
  • Enthaltung)

Bestes ausländisches Werk
  • Jo Walton, IN EINER ANDEREN WELT (Among Others) - 5 Punkte
  • Terry Pratchett und Stephen Baxter, DIE LANGE ERDE (The Long Earth) - 4 Punkte; meine Lesenotiz hier

Beste Grafik
  • kein Preis - 5 Punkte

Sonderpreis
  • Martin Kempf und sein Team "für 300 Ausgaben des Szene-Magazins Fandom Observer in 25 Jahren" - 5 Punkte
  • Jürgen Schütz "für die Herausgabe des Gesamtwerks von James Tiptree jr. in deutscher Sprache" - 4 Punkte
  • Franz Rottensteiner "für 50 Jahre Herausgabe des Quarber Merkur" - 3 Punkte
  • Klaus Bollhöfener und sein Team "für 50 Ausgaben der SF-Fachzeitschrift phantastisch!" - 2 Punkte
  • Sascha Mamczak, Erik Simon und Hannes Riffel "für die Herausgabe der Strugatzki-Edition bei Golkonda und Heyne" - 1 Punkt

Wie hättet ihr abgestimmt?

Beziehungsweise, falls ihr abstimmungsberechtigt seid, wie habt ihr abgestimmt? - Falls jemand in den Kommentaren oder per Mail seine Punkte nennen will, mache ich gerne wieder einen Zwischenstand auf!