Freitag, 30. Mai 2014

Gelesen: Findus und Luz Kerkeling, KLEINE GESCHICHTE DES ZAPATISMUS (D 2011)

Worum geht's?

Seit inzwischen zwanzig Jahren gibt es im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas besetzte Gebiete, in denen die Leute versuchen, ohne Staat zu leben. Dieser "schwarz-rote Leitfaden", so der Untertitel, erzählt ihre Geschichte.

Wie ist das Buch geschrieben?

Es ist ein "Sach-Comic" in Schwarzweiß.

Was gefiel nicht so?

Eigentlich ist es mehr ein Sachbuch mit vielen Illustrationen - wirklich in Comicform erzählte Seiten gibt es kaum.

Was gefiel?

Das Büchlein bietet einen guten und verständlichen Überblick über das, was da in Mexiko passiert ist und immer noch passiert. Kein Wunder: Kerkeling schreibt seit Jahren über Chiapas und ist regelmäßig vor Ort.

Gute Stelle?

Ein Dialog auf Seite 56, an dem man gut sehen kann, wie wenig sich die indigenen Landbewohner von den bürgerlichen Lösungen noch versprechen:

"Ihr solltet endlich mit der Subsistenz-Landwirtschaft aufhören. Der Gouverneur will Chiapas zu einem neuen Cancún machen. Davon könnt ihr auch profitieren."

"Ich kenne Cancún, hab' da gearbeitet und wurde wie Vieh behandelt."

(Cancún ist Teil der sogenannten Riviera Maya.)

Zu empfehlen?

Doch, durchaus. Andere Publikationen gehen sicher mehr in die Tiefe, aber für einen Überblick ist das Büchlein genau richtig.

Wo aufgestöbert?

Ich beziehe schon seit vielen Jahren immer wieder meinen Kaffee aus den zapatistischen Gebieten. Der ist lecker, und ich finde dieses, hm, soziale Experiment spannend genug, um es mit meinem Kaffeekonsum finanzieren zu wollen. Nun wollte ich mal einen anständigen Überblick im Regal stehen haben, anstatt immer nur auf verstreute Infoschnipsel in kleinen Zeitungen und im Internet angewiesen zu sein:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Broschur, 68 Seiten. Unrast, Münster, 1. Auflage August 2011)

Und sonst?

  • gefällt mir die scherzhafte, fast schon dadaistische Seite der Zapatistas sehr. Da nennt sich der bekannteste Kopf "subcomandante", Unter-Befehlshaber, und behauptet, seine weisen Revolutionssprüche von einem Käfer im Urwald erhalten zu haben, und die Zapatistas rufen nicht nur zu Internationalen Treffen auf, sondern gleich zu "Intergalaktischen". Sehr schön!
  • wackele ich mal tadelnd mit dem Zeigefinger zu meinen ganzen linken bis linksradikalen Freunden und Bekannten hin: Also wirklich! Warum sehe ich diesen Kaffee kaum in euren Kreisen? Muss da erst so'n oller FDP-Wähler wie icke kommen, um euch zu zeigen, wo man anständigen Kaffee kriegt?

Mittwoch, 28. Mai 2014

... und gestern ist Harlan Ellison achtzig geworden

Ohne den freundlichen Hinweis eines Freunds und Bloglesers hätte ich das glatt verpasst: Dietmar Dath gratulierte dem Bilderstürmer und großen Unbekannten der amerikanischen Literatur in der FAZ. Er hat auch ein sehr schönes Ellison-Zitat gebracht:

Das Erstaunliche ist nicht, dass es so viel Unfähigkeit, Schlamperei, Mittelmaß und entsetzlichen Geschmack auf der Welt gibt. Das Unglaubliche ist vielmehr, wie viel gute Kunst man auf dieser Welt findet. Überall.

Amen!

Den kompletten Artikel findet ihr dort.

Zentralflughafen, Ebene minus drei

Wenn ich Science Fiction schreibe, bietet sich nicht oft Gelegenheit, draußen in der wirklichen Welt zu recherchieren.

Vor rund zehn Jahren ist mir das einmal gelungen; da habe ich auf Einladung eines Perry-Rhodan-Lesers seinen Arbeitsplatz, die EADS in BremerhavenBremen, besucht und dort unter anderem in einem Modul der Internationalen Raumstation gestanden - das war beeindruckend.

Neulich nun merkte ich unterm Schreiben meines Perry-Rhodan-Neo-Romans, dass mir die Beschreibung einer Örtlichkeit zu unsinnlich geriet, und ich sagte mir, Mensch, ich muss mir diese unterirdischen Anlagen vom Flughafen Tempelhof einmal ansehen gehen! Ich muss da drin gewesen sein!

Gesagt, getan. Um 9 Uhr 55 recherchierte ich im Netz; eine gute Stunde später schon wanderte ich unter fachkundiger Führung des Historikers Stefan Kniestedt zusammen mit vielleicht zwanzig europäischen Journalisten durch die drei Tiefgeschosse und auch hoch bis unters Dach.

Nun weiß ich, wie es dort riecht, wie die Temperaturen in den verschiedenen Bereichen sind; ich kenne die verschiedenen Stadien des Zerfalls und Erhalts; ich weiß nicht nur, wie die touristisch interessanten Orte aussehen (der Filmbunker, der Luftschutzbunker mit den Wilhelm-Busch-Motiven etc.), sondern auch, wie die Gänge gestaltet und ausgestattet sind ...

Ich weiß jetzt, wie es sich anfühlt, dort unten zu sein, wo einige entscheidende Szenen meines Neo-Romans spielen.

So etwas hilft mir immer sehr, und ich finde es auch wichtig, meine Geschichten derart zu erden.

Ich darf nun behaupten, dass ich sämtliche Orte, an denen mein Neo-Roman spielt, selber schon besucht habe - außer diejenigen natürlich, die noch gar nicht gebaut sind :-D

Übrigens kann man sich eine ganz ähnliche Führung auch als Normalmensch gönnen; schaut mal auf diese Seite dort. Heißer Tipp für einen Ausflug!

Montag, 26. Mai 2014

Gelesen: Samuel R. Delany, DIE BEWEGUNG VON LICHT IN WASSER (USA 1993)

Worum geht's?

Das ist eine Autobiografie. Sie deckt im Wesentlichen die Jahre 1957 bis 1965 ab, als der junge Delany seine erste Handvoll Science-Fiction-Romane schrieb und die schwule Subkultur des Greenwich Village erkundete.

Wie ist das Buch geschrieben?

Wie immer bei Delany sehr dicht, sehr eindringlich, mit einer Art lockerem Ernst. Ab und zu verfällt er in für meinen Geschmack zu abgehobene Abstraktionen, meist aber ist er sehr nahe dran an Dingen, an Menschen, an der Welt.

Was gefiel nicht so?

Ich hätte mir doch ein Personenregister gewünscht - dann taugt so eine Autobiografie auch als Nachschlagewerk.

Was gefiel?

  • Die saubere, gefühlvolle Übersetzung. Jasper Nicolaisen hat es sogar gewagt, die vielen eingestreuten Gedichte von Delanys damaliger Frau Marilyn Hacker einzudeutschen, und zwar mit Reimen. Das ist akademisch vielleicht uncool, aber genau richtig für mich Otto Normalleser.
  • Die Einblicke in diverse fremde Welten - schwule Subkultur, schwarzer Alltag, das Leben als Fischer
  • Und Delanys Art zu beschreiben ist immer gut - klug und differenziert, aber geerdet.

Gute Stelle?

Es gibt, wie immer bei Delany, viele tolle Stellen in dem Buch. Diese hier ist eine der harmlosesten, aber sie hat mir auch gleich beim Entdecken so gut gefallen, dass ich sie unserem Elfjährigen vorgelesen habe. Das hätte ich mit den anderen Stellen nicht unbedingt gemacht :-D

Seite 59. Der zwölfjährige Delany ist mit seinem Vater und einem Freund seines Vaters am See des Central Park, wo sie ein selbstgebautes Modellboot zum ersten Mal fahren lassen wollen. Das Boot hat fürchterliche Schlagseite; die Erwachsenen fummeln daran rum und versuchen es irgendwie noch hinzukriegen:

Und in diesem Moment sah ich auf und bemerkte den älteren Mann, der uns aus ein paar Metern Entfernung zusah.

Er war gerade mal so groß wie ich, trug einen grauen Pullover, etwas ausgebeulte Hosen und Stoffschuhe. Das weiße Haar stand ihm zu beiden Seiten vom Kopf ab. Er hatte einen buschigen grauen Schnurrbart und presste sich im Stehen die Pfeife mit der recht zarten Hand an die Brust. Ich erkannte ihn sofort, schließlich hatte ich ihn schon auf endlos vielen Bildern in Life, Newsweek und Time gesehen. Jetzt kam er näher, und als er sprach, bestätigte der deutsche Akzent meine Vermutung. "Entschuldigung", sagte er. "Vielleicht kann ich Ihnen helfen?"

Ohne aufzusehen, setzte mein Vater zu einer Erklärung an, was er, wenn er bloß ... das Ding hier ... weiter nach da ... versuchte.

Bebe fragte: "Lassen Sie oft Schiffe fahren?"

Der Mann lächelte und nickte.

"Das da hat er selber gebaut", sagte ich. "Alles Handarbeit."

"Es ist wirklich schön", sagte der Mann mit offenkundiger Bewunderung.

"Ich habe es zum Geburtstag bekommen", fuhr ich fort. "Aber jetzt spielen sie die ganze Zeit damit."

"Ah!" Der Mann lachte. Er blickte meinem Vater über die Schulter. "Entschuldigen Sie", sagte er. "Wenn Sie das hintere Segel da etwas lockern, haben Sie weniger Probleme mit der Neigung ..."

Mein Vater sah auf.

"Darf ich ...?", fragte der Mann.

Ein wenig verwirrt antwortete mein Vater: "Na gut, also schön ... dann legen Sie mal los, wenn Sie unbedingt wollen."

Der Mann kniete sich neben das Schiff. Kaum hatte er es in die Hand genommen, runzelte er die Stirn. "Ach, da haben Sie aber wirklich ein Problem. Es ist einfach zu kopflastig." Er seufzte, lockerte das Segel aber trotzdem.

"Genau das Gleiche habe ich ihm auch gesagt", erwiderte Bebe - er meinte meinen Vater.

"Dann hilft das jetzt vermutlich auch nichts mehr", sagte der Mann, zurrte seinen Knoten fest und richtete sich auf, während das Schiff am Teichufer auf und nieder schaukelte. "Jedenfalls nicht viel. Aber schön aussehen tut es auf alle Fälle."

"Trotzdem vielen Dank", sagte ich und streckte die Hand aus. Ohne einen Händedruck würde ich unseren Besucher nicht davonkommen lassen. Fest nahm er meine Hand in seine. [...]

[...]

[...] Ich blickte dem Mann hinterher, der inzwischen schon gut dreißig Meter entfernt und in der Menge der sonntäglichen Parkspaziergänger kaum noch auszumachen war.

"Hey", sagte ich. "Wisst ihr, wer das war?"

"Hm?", machte Dad.

"Der Alte?", fragte Bebe.

"Das war Albert Einstein!"

Bebe sah auf und legte die Stirn in Falten. "Ach nee, das kann doch nicht ..." Dann spähte er angestrengt in die Menge. "Stimmt, er hat ihm wirklich ein bisschen ähnlich gesehen."

"Nicht ein bisschen", sagte ich. "Das war er!"

Jetzt runzelte auch mein Vater die Stirn. "Warum sollte sich Albert Einstein an einem Sonntagmorgen im Central Park rumtreiben und mit Schiffen spielen?"

"Ich mein's ernst", sagte ich. "Ich bin mir ganz sicher, dass er es war. Ich kenne ihn doch von den Bildern." Zwanzig Jahre später las ich zum ersten Mal vom Hobby des berühmten Physikers: Modellschifffahrt.

Zu empfehlen?

Auf jeden Fall! Delany war eine Zeitlang mein Lieblingsschriftsteller. Dann habe ich ihn aus den Augen verloren, wie das oft so ist. Nun, wo Golkonda seine "Gesammelten Werke in Einzelausgaben" verlegt, werde ich ihn mir ein zweites Mal vornehmen, und ich bin schon gespannt, wie ich heute als Anfangfünfzigjähriger die Romane finden werde, die den damaligen Zwanzigjährigen so beeindruckt haben.

Wo aufgestöbert?

Auf einem der monatlichen internen Verlagstreffen abgestaubt:

(Quelle: Verlag)

Und sonst?

Nicht, dass Delany es darauf angelegt hätte, aber für mich korrespondiert das Buch heftig mit Anatole Broyards VERRÜCKT NACH KAFKA. Broyard hat ebenfalls im Greenwich Village gelebt, aber zwanzig Jahre vorher und unter Verleugnung seiner schwarzen Herkunft. In meinem Kopf flogen ständig Echos zwischen den beiden Büchern hin und her; das war lustig. Wer sich fürs Village und die damalige New Yorker Kulturszene interessiert, sollte vielleicht beide Bücher im Bündel lesen.

Freitag, 23. Mai 2014

Neues Interview online

Die Berliner Literaturagentin Gesine von Prittwitz stellt in ihrem Blog Steglitz Mind unter anderem regelmäßig Bücherblogs vor. Neulich war, auf eine Empfehlung von Frank Duwald mit seinem Dandelion hin, ich an der Reihe:

Ich halte nicht viel von Wutreden, von selbstdarstellerischer Schnappatmung, von Spott und Hohn. Die bringen zwar Klicks, aber sie machen die Welt zu einem schlechteren Ort. Ich übe mich lieber im Lob des Guten, wie die Buddhisten das nennen. Meistens gelingt mir das.

- auf die Frage, was Blogger besser bleiben lassen sollten.

Das ganze Interview findet ihr dort.

Ich habe den Stab jetzt übrigens an Anubis mit seinem Lake Hermanstadt weitergereicht. Mal sehen, was draus wird!

Dienstag, 20. Mai 2014

Gelesen: Gecko Neumcke, EIN TOTES IM SEE'BOLO (D 2014)

Worum geht's?

Einige Jahrzehnte nach der Revolution wird in einem Altersheim ein toter Revoluzzer gefunden - ermordet, mit Geldscheinen in der Hand. Geld ist doch aber längst abgeschafft worden! Müllfrau Precious, die sich während ihrer Sozialstunden um die Alten kümmert, versucht die Sache aufzuklären - ganz wie zu Omas Zeiten die Privatdetektive.

Wie ist das Buch geschrieben?

Aus Precious' Sicht. Also in revolutioniertem Deutsch - gegendert, Kleinschreibung, durchsetzt von neuen Wörtern. Da las ich mich aber binnen weniger Seiten rein; das war überhaupt kein Problem, sondern Teil des Vergnügens.

Was gefiel nicht so?

Entfällt. Ich habe mich lange nicht so amüsiert.

Was gefiel?

  • Endlich einmal wieder ein Buch, das an die utopischen Traditionen der Science Fiction anknüpft, an Titel wie PLANET DER HABENICHTSE von Ursula K. LeGuin oder an DIE GROSSE EXPLOSION bzw. PLANET DES UNGEHORSAMS von Eric Frank Russell.
  • Dabei ist das Schöne, dass es in dieser Utopie auch mal regnet und die Leute immer noch schlechte Laune haben und mit der Gesellschaft unzufrieden sind.
  • Die Sprache! Der Humor!
  • Die Warmherzigkeit

Gute Stelle?

Seite 37. Precious unterhält sich mit jemandem über die Alten:

- [...] du hast erwähnt, dass die oldies immer mal drogen ausprobieren.

- kriegen die jetzt ärger? dafür will ich nicht verantwortlich sein.

- kein ärger. von mir aus können die alle nehmen, was sie wollen, so lange sie sich benehmen. aber es geht um den toten. karl. um welche art drogen handelt es sich? auch chemische von vor der trafo? und wenn ja, wo haben die sowas her?

- wenn ich es richtig verstanden habe, hat leo damals mit rosa abgemacht, dass sie, wenn sie über 90 sind, alle drogen ausprobieren wollen, die sie sich bis dahin nicht getraut haben. das war wohl so zwei, drei jahre nach der trafo. da gab es noch restbestände von allem. sie haben sich das irgendwie zusammengesammelt und letztes jahr angefangen, damit rumzuprobieren.

- was genau?

- kann ich nicht sagen. vor ein paar monaten haben sie kokain genommen. da haben sie auf trip die seilbahn hier gebaut. und sind den ganzen abend immer wieder zum see runter und rein. danach waren sie eine woche krank im bett und ich musste doppelschichten einlegen.

Herrlich.

Falls ihr noch eine ausführlichere Kostprobe wollt: Den Anfang gibt es online bei der Jungle World zu lesen.

Zu empfehlen?

Aber ja. Das Buch ist herzerwärmend, erfrischend, dabei ein wohltuend alltäglicher SF-Roman - die Alten tragen zum Beispiel Gehhilfen, bei denen es sich offensichtlich um Exoskelette handelt. Da wird aber nicht viel Beschreibungs-Wind drum gemacht, das ist einfach so.

Ein Kandidat für mein persönliches Buch des Jahres ist es nicht ganz; dafür kommt es mir zu fluffig vor, zu leicht. Aber ich werde es definitiv für den Kurd-Laßwitz-Preis vorschlagen, denn ein so vergnügliches Stück SF habe ich seit vielen Jahren nicht gelesen. Und in positivem Sinne anarchistisch geprägte SF kommt ja nun auch nicht gerade häufig vor.

Wo aufgestöbert?

Jakob Schmidt, einer der Verleger, hatte mich mit seiner Reklame dafür neugierig gemacht. Und dann hat es Ralf Steinberg sehr positiv besprochen. Also habe ich es mir im April zugelegt und auch gleich geschmökert:

(Quelle: Verlag)

Und sonst?

Der Autor ist nach eigenen Angaben "manchmal als Clown im Altenheim unterwegs" - genau so liest sich auch sein Buch!

Und am kommenden Samstag wird er den Berlinern was vorlesen:



Ich weiß, ist spät. Aber sehen wir uns da?

Montag, 19. Mai 2014

Letzten Freitag, Otherland, Lesung von Dietmar Dath

(Stefan Hoffmann from Silver Style Studios und icke janz vorne im Publikum. Foto: Ralf Steinberg)

Das gesellschaftliche Ereignis des Monats, was Science Fiction in Berlin betrifft: Beide Räume waren knallvoll, und wen konnte man nicht alles treffen! (Oder wenigstens sehen; manchmal blieb kaum mehr als zu winken.)

Ausführliches über die Lesung von Kurd-Laßwitz-Preisträger und FAZ-Autor Dietmar Dath könnt ihr drüben im Fantasyguide lesen ...

***

Eine produktive Arbeitswoche wünsche ich euch; haut rein!

Und seid dabei ruhig mal müde, anstatt euch mit Kaffee oder Schlimmerem zu peppen, denn dann gelingt das kreative Arbeiten deutlich besser, wie amerikanische Wissenschaftler kürzlich nachweisen konnten, siehe drüben bei Konrad Kustos. Sag ich doch schon lange!

Donnerstag, 15. Mai 2014

Gelesen: Till Raether, TREIBLAND (D 2014)

Worum geht's?

Im Hamburger Hafen läuft ein Kreuzfahrtschiff ein, auf dem jemand an einer tödlichen Viruserkrankung gestorben ist. Draußen Quarantänemaßnahmen und Panik, drinnen nackte Angst. Aber manche Leute müssen da rein; es ist ihr Job. So auch ein Kriminalkommissar - reine Routine, man braucht ja einen Aktenvermerk, dass es keinerlei Hinweise auf ein Verbrechen gibt. Leider ist sein Schutzanzug dann leck.

Wie ist das Buch geschrieben?

Dritte Person, einfache Vergangenheit, hauptsächlich aus der Perspektive des Kommissars. Raether neigt zu schönen, gern auch schrägen Bildern und Wortbildungen, die sich aber immer gut ins Erzählen einfügen; es wirkt nicht aufgesetzt, sondern einfach nur lebendig.

Was gefiel nicht so?

Ich hatte zwischendurch ein paar Kapitel lang den Eindruck, dass Raether nicht recht wusste, wie es weitergehen, sprich: wie er den Bogen hin zur Auflösung kriegen soll.

Was gefiel?

  • Die Hypersensibilität des Kommissars - diese "Macke" macht ihm nicht nur im Kollegenkreis und auf dem Schiff das Leben schwer; sie sorgt auch dafür, dass er bestimmte Dinge nicht ignorieren kann.
  • Raethers Sprache
  • Manche Figuren wuchsen mir sehr ans Herz. Schnüff.
  • Die eindringliche Atmosphäre

Gute Stelle?

Als ich diesen Satz hier in meiner ersten Begeisterung meiner Liebsten vorlas, sagte sie, das Gefühl kenne jeder. Seite 20, der Kommissar hat einen schweren Gang vor sich:

Er schloss die Augen, fasste das Geländer und ging die Treppe hinab, als stiege er in ein Schwimmbecken, das kälter war als erwartet.

Zu empfehlen?

Aber ja. Ich freue mich schon darauf, das Buch zum zweiten Mal zu lesen - Hauptfigur Danowski und Tills Erzählton geben genug her.

Wo aufgestöbert?

Vor ein paar Wochen schrieb mir Till hier einen Kommentar ins Blog. Hoppla! Wir kannten uns oberflächlich von früher, er hatte mich in jungen Jahren mal zusammen mit Carsten Scheibe in meiner WG besucht, lange bevor dieser dann bei uns einzog. Ich schaute mir an, was Till heutzutage so macht, dort, und stellte fest, dass er gerade seinen ersten Krimi draußen hat. Jawohl, auf dem Umschlag steht wirklich "Kriminalroman" und nicht "Thriller". Löblich!

Gesehen, gekauft:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Klappenbroschur, 495 Seiten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, März 2014)

Und sonst?

Es ist schon lustig, wer aus unserer damaligen Szene alles in irgendwelchen kreativen Zusammenhängen wieder auftaucht! Ganz viele von den jungen Hunden mit der übersprudelnden Fantasie sind noch da - Klaus Frick, Achim Mehnert, Carsten Scheibe, Michael Haitel, Peter Müller, Viktor Pavel und und und. Älter geworden, weiser hoffentlich, und still crazy after all those years.

Und dann habe ich hier noch, gefunden auf Tills Homepage, den abgelehnten Entwurf eines Werbefilms zum Buch - scharmant!


Der "Treibland"-Trailer, den es nicht geben wird from Till Raether on Vimeo.

Mittwoch, 14. Mai 2014

Eingetrudelt: Elise Broach, DIE BARKER BOYS - SCHATZSUCHE IN DER GEISTERSTADT

Guckt mal, die Belegexemplare des zweiten Abenteuers um die Barker Boys sind da:


Umschlagtext

Alte spanische Münzen, eine mysteriöse Landkarte und ein winziges Klümpchen Gold - Henry, Simon, Jack und Delilah können kaum glauben, was sie auf dem Superstition Mountain gefunden haben. Ist an den Gerüchten um die Goldmine vielleicht doch etwas dran?

In einer verlassenen Goldgräberstadt suchen sie nach Antworten. Doch die Barker Boys sind nicht die Einzigen, die das Goldfieber gepackt hat.

Die Übersetzung hat wieder großen Spaß gemacht - auch, weil sich seltsame Geschehnisse durch das Buch ziehen, die immer hart an der Grenze zum Übernatürlichen sind, so dass man nie weiß: Ist das nun eigentlich ein realistischer oder ein fantastischer Kinderroman? Sehr passend für eine Geschichte, die sich um den Superstition Mountain, den "Berg des Aberglaubens" in Arizona dreht!

Superstitionmountain

Das Buch ist bereits erhältlich. Mehr drüben bei Aladin. Und bei Amazon könnt ihr auch einen "Blick ins Buch" werfen.

Dienstag, 13. Mai 2014

Gelesen: Astrid Lindgren, RONJA RÄUBERTOCHTER (S 1981)

Worum geht's?

Ronja wächst mitten im Wald als Tochter eines Räuberhäuptlings auf. Als in schlechten Zeiten eine zweite Bande in die andere Hälfte der durch Blitzschlag gespaltenen Räuberburg einzieht, gerät Ronjas wildes, doch behütetes Leben aus den Fugen, und sie muss sich von ihrem Vater emanzipieren.

Wie ist das Buch geschrieben?

Urwüchsig, an Legenden und Märchen orientiert, gleichzeitig derb und zart

Was gefiel nicht so?

Entfällt. Das ist mein Lieblingsbuch von Lindren und auch allgemein eines meiner Lieblingsbücher.

Was gefiel?

Jetzt im April, bei der dritten Lektüre und nachdem ich selbst in Schweden gewesen bin, staunte ich vor allem darüber, wie sehr das ganze Buch von der schwedischen Landschaft und Kultur und Geschichte durchdrungen ist, bis hinein in einzelne Handlungswendungen. Das ist eigentlich ein Heimatroman.

Gute Stelle?

Auf Seite 32 findet sich ein schönes Bild für die Liebe. Deutsch von Anna-Liese Kornitzky.

Ronja schaute ihn sich an, wie er dort saß, und sie lachte leise, weil es ihn gab.

Zu empfehlen?

Aber hallo! Ein Trostbuch, ein Träumbuch, ein Buch zum Lachen.

Wo aufgestöbert?

Ich glaube, ich kannte zuerst die Verfilmung von 1984 mit dem Frühlingsschrei. Den fand ich so toll, dass ich dann auch einmal das Buch gelesen habe, aus der Stadtbibliothek. Vor ein paar Jahren schließlich habe ich mir die Sonderausgabe zum 60jährigen Verlagsjubiläum gekauft:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Gebunden, 237 Seiten. Oetinger, Hamburg, Einmalige Sonderausgabe 2006)

Und sonst?

Lindgren war schon toll - kämpferisch, eigensinnig, kraftvoll. Radikal zu ihren Figuren stehend, zur Not gegen jeden Zeitgeist. Das alte Weib in der Baumkrone!

Montag, 12. Mai 2014

Auflösung

Offline geht die Sache schon rum, wie ich am Wochenende festgestellt habe - also können wir online jetzt auch auflösen:

Jawohl, ich schreibe derzeit einen Roman für Perry Rhodan Neo.

Unter dem Stichwort Serienmitarbeit könnt ihr gelegentliche kleine Werkstattberichte lesen.

Jetzt aber rasch wieder off und weiter im Text ...

Gelesen: Daniela Schreiter, SCHATTENSPRINGER (D 2014)

Worum geht's?

Laut Untertitel darum, "[w]ie es ist, anders zu sein". Schreiter erzählt uns von ihrem Leben als Asperger-Autistin.

Wie ist der Comic erzählt?

Als eine Mischung zwischen Autobiografie und Sachcomic - dabei interessanterweise jedoch nicht in einem realistischen Stil gezeichnet, sondern als Funny.

Was gefiel nicht so?

Entfällt. Bin restlos begeistert.

Was gefiel?

Das Ganze ist sehr warmherzig, sehr anschaulich und nachvollziehbar.

Gute Stelle?

Ich mochte besonders das Detail, dass die Aspergis, solange sie in der Sicherheit ihres Zuhauses sind, kleine Alien-Antennen auf dem Kopf haben, die beim Betreten der Welt draußen dann immer eingezogen werden, zur Tarnung. Das ist ein ebenso bestechendes wie locker daherkommendes Symbol!

Zu empfehlen?

Aber hallo! Der Band könnte sich als die wichtigste Comic-Neuerscheinung des Jahres herausstellen.

Ich war sehr berührt von der Lektüre - auch, weil einem eigene "seltsame" Verhaltensweisen klarer werden und manche (Kinder)Freundschaft plötzlich in einem anderen Licht erscheint. Das Buch kann einen sehr mitnehmen - im besten Sinne.

Wo aufgestöbert?

Ich weiß es nicht mehr. Irgendwo im Internet. Entweder auf einer Wissenschaftsseite oder auf mycomics. Im März habe ich es mir jedenfalls zum Geburtstag gewünscht, und meine Liebste hat es mir geschenkt:

(Eigenhändiger Scan vom vorhandenen Exemplar. Hardcover, 160 Seiten. Panini, Stuttgart, 1. Auflage März 2014)

Und sonst?

Höchste Zeit, dass jemand so etwas geschaffen hat! Es braucht noch viel mehr so locker-flockig erzählte Geschichten von Betroffenen aller möglichen "Krankheiten", "Störungen" und "Syndrome"!

Mehr Infos und eine Leseprobe findet ihr bei Panini. Und Daniela Schreiter führt auch ein tolles Blog.

Freitag, 9. Mai 2014

Gelesen: Tschingis Aitmatow, DER TAG ZIEHT DEN JAHRHUNDERTWEG (UdSSR 1981)

Worum geht's?

Die Erde bekommt erstmals Kontakt zu einer außerirdischen Zivilisation; Amis und Russen sind geschockt und wissen nicht, was sie machen sollen. Vor diesem Hintergrund wird die Lebensgeschichte eines kirgisischen Eisenbahnarbeiters erzählt, der einen Freund auf die althergebrachte Weise in der Steppe begraben will. An einem Kosmodrom laufen beide Handlungsfäden zusammen.

Wie ist das Buch geschrieben?

Kraft- und gefühlvolle Prosa, virtuos und elegant die Perspektiven wechselnd.

Was gefiel nicht so?

Die Konstruktion des Buches - die doch eigentlich große und bedeutsame Geschichte des Erstkontakts kommt nie recht voran und bleibt beständig im Hintergrund.

Was gefiel?

  • Schön umgesetzt ist allerdings die Idee, die ganze Lebensgeschichte dieses Mannes an diesen einen Tag der Beerdigung anzulagern - dieser Teil der Konstruktion funktioniert bestens.
  • Das Leben der einfachen Leute, die ein wichtiges Stück Schienenstrecke in der Steppe instandhalten, rückte mir unglaublich nahe.
  • Die Sprache
  • Der hintergründige, manchmal auch sehr derbe Humor
  • Die Lakonie, mit der die (mitunter auch großen politischen) Dramen erzählt werden

Gute Stelle?

Ich habe mir keine markiert. Ganz großartig fand ich die Passagen mit dem Kamel des Eisenbahnarbeiters! Er mag den Hengst nicht kastrieren und muss nun mit dessen wahrhaft anarchischen, alles verheerenden Brunftzeiten leben - das ist ebenso grotesk wie lustig. Hier das erste Auftauchen des Kamels im Text. Seite 34, deutsch von Charlotte Kossuth:

Er schritt zur Koppel, wo Schneesturm-Karanar, den er von der Weide hergetrieben hatte, an der Leine stand, böse aufbrüllend. Sah man davon ab, daß er zweimal wöchentlich mit der Herde zu dem Brunnen am Pumpenhaus kam, um sich satt zu trinken, so lief Karanar fast die ganze Woche Tag und Nacht frei herum. Er gehorchte nicht mehr, der Bösewicht, und jetzt verlieh er seiner Unzufriedenheit Ausdruck - wütend riß er das scharfzahnige Maul auf, wenn er losschrie von Zeit zu Zeit: es war die alte Geschichte - an Unfreiheit muß man sich erst wieder gewöhnen.

Edige trat zu ihm, verdrossen von dem Gespräch [...]. [...] Wütend fuhr Edige Karanar an: "Was brüllst du altes Krokodil? Warum brüllst du zum Himmel, als höre dich dort Gott höchstselbst?" Krokodil schimpfte Edige sein Kamel nur in den seltenen Momenten, da er völlig außer sich war. Auswärtige Streckenarbeiter hatten sich diesen Spitznamen für Schneesturm-Karanar ausgedacht - wegen seines scharfzahnigen Mauls und seines bösen Charakters. "Schrei dich nur heiser, Krokodil. Ich brech dir gleich alle Zähne aus!"

Aber Edige wird ihm weder die Zähne ausbrechen, noch wird er den Hengst kastrieren oder gar erschießen, wie manche, Tagesreisen entfernt wohnenden Besitzer von Kamelstuten fordern, wenn Schneesturm-Karanar einmal wieder alles überrollt, was zwischen ihn und seine Holden kommt.

Zu empfehlen?

Aber ja. Nicht als Science-Fiction-Roman, aber als Roman über eine fremde Kultur und Lebensweise. Welt-Literatur im besten Sinne.

Wo aufgestöbert?

Im März auf dem Verschenke-Fensterbrett und gleich drin festgelesen:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Broschiert, 365 Seiten. Volk und Welt, Berlin, 5. Auflage 1984 [1. Auflage Broschur])

Und sonst?

Es gibt noch eine spätere, um ein Kapitel längere Fassung des Romans unter dem Titel EIN TAG LÄNGER ALS EIN LEBEN - aber ich weiß nicht, ob ich das Buch noch einmal lesen werde. Jetzt, unterm Schreiben der Lesenotiz, bekomme ich durchaus Lust darauf!

Donnerstag, 8. Mai 2014

Neulich beim Berliner SF-Dinner



Links neben mir: Stefan Hoffmann von der Computerspielschmiede Silver Style Studios, deren Online-Spiel Herokon sich gerade in der offenen Beta-Phase befindet.

Außerdem waren unter anderem mit dabei: Yip vom SF-Netzwerk und natürlich Angrill-Gastgeber Ralf Steinberg vom Fantasyguide. Ralf hat auch die Handyfotos geschossen.

Und? Hat meine erste selbstgemachte Grillsoße geschmeckt? Ja, hat sie.

Das nächste SF-Dinner wird wieder in einem Restaurant stattfinden, und zwar Anfang nächster Woche mit auswärtigen Gästen. Wer auch einmal bei diesen lockeren Treffen der Berliner Science-Fiction-Szene dabei sein möchte, schaue in die entsprechenden Threads bei sf-fan.de und im Netzwerk oder lasse sich unter frankboehmert bei web.de in die Mailingliste mit aufnehmen.

Ich bin ja dafür, dass wir im Sommer auch mal picknicken gehen!

Dienstag, 6. Mai 2014

Gelesen: G.F. Unger, RED VALLEY QUEEN (BRD vermutlich 1995)

Worum geht's?

Um das Schicksal einer Frau, die in Arizona Herrin über ein Tal wird, zu einer Zeit, als dort die ersten Pioniere durchziehen wollen und Glücksritter sowie Banditen die Gegend unsicher machen.

Wie ist das Heft geschrieben?

Auf eine der beiden Unger-Weisen: dritte Person, Gegenwart. Die Sätze einfach, wie gesprochen.

Was gefiel nicht so?

Sprachlich ist es mir stellenweise dann doch zu einfach.

Was gefiel?

  • Unger beschönigt nichts, schwelgt aber auch nicht in Grausamkeiten.
  • Seine Erzählweise hat bei aller Lakonie etwas Fließendes und Hypnotisches.
  • Er baut seine Geschichte vor einem klaren historischen Hintergrund, den er aber immer nur so weit zeichnet, wie er ihn in der Szene gerade braucht - sehr angenehm! Davon können sich die heutigen Mit-Infos-Zumüller gleich mehrere Scheiben abschneiden!

Gute Stelle?

Seite 2, das erste Auftauchen der Heldin, gesehen durch die Augen des Mannes, der derzeit über das Red Valley herrscht. Seine Ranch bekommt gerade einmal wieder Besuch von Carlos und seiner Bande:

Die Apachen sammeln sich bei den Corrals, wo auch dicht beim Brunnen und der großen Pumpe die Wassertröge sind.

Carlos aber kommt herübergeritten, und er kommt nicht allein.

John Morgan betrachtet staunend die Frau.

Sie wirkt zerzaust. Ihr Kleid ist arg mitgenommen. Da sie in einem Männersattel sitzt, ist ihr das Kleid weit hinauf gerutscht und gibt ihre Beine frei. Ihr rotes Haar ist aufgelöst und fällt ihr über die Schultern.

Doch so zerzaust und mitgenommen sie auch aussieht, sie sitzt stolz im Sattel. Ihr Blick ist gerade und fest. Jetzt liegt dieser Blick prüfend auf John Morgan. Nein, es ist kein Bitten oder gar angstvolles Betteln in diesem Blick; er ist nur prüfend, so als wollte sie von ihm wissen: Na, was bist du für ein Mann? Taugst du was und traust dich? Oder lebst du hier in diesem Tal auf deiner Ranch nur von Carlos' Gnaden?

Zu empfehlen?

Aber ja. Unger konnte schreiben, und vor allem konnte er erzählen! Es ist kein Wunder, dass er so hohe Auflagen erzielt hat und bis heute immer wieder nachgedruckt wird.

Wo aufgestöbert?

Als mir neulich immer wieder das Präsens in meinen aktuellen Serienroman rutschte, siehe hier, fiel mir Unger wieder ein, und beim Recherchieren im Netz stellte ich fest, dass derzeit eine "Große Western Sonder-Edition" seiner ursprünglich für den Leih- und Taschenbuchmarkt geschriebenen Romane bei Bastei läuft. Also kaufte ich mir den aktuellen Band:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Heftroman, 79 Seiten. Bastei, März 2014)

Und sonst?

Was für eine knallharte Lebensgeschichte Unger da erzählt!

Montag, 5. Mai 2014

Ha! Ich wusste es!

Seit Mitte der 1980er Jahre erzähle ich jedem, der sich mit mir über Samuel R. Delany unterhält, dass der Gute von Lawrence Durrell beeinflusst sein dürfte - oder zumindest stilistisch auf dieselben Ideen gekommen ist wie Durrell. Die Schnittmenge hinsichtlich der Art, wie beide Autoren Stimmungen beschreiben, ist einfach riesengroß, und wie wir den Tagebucheinschüben in Delanys frühen Romanen entnehmen können, hat er sich damals auch, ganz wie Durrell, gelegentlich auf den griechischen Inseln aufgehalten - und was läge näher für einen New Yorker Vielleser, als sich zur Recherche das Werk von jemandem vorzunehmen, der viel über den Mittelmeerraum geschrieben hat und gerade von den Ostküsten-Intellektuellen abgefeiert wird?

Nun lese ich in der jüngst auf Deutsch erschienenen Autobiografie von Delany:

Doch die Sehnsucht - vermischt mit Erinnerungen an [...] Dur[r]ells Alexandria-Quartett - blieb, auch als ich längst wieder zwischen die Mietskasernen und schattigen Straßen abgetaucht war (S. 149)

Ich hab's gewusst. Es war einfach zu spüren.

(Quelle: Verlag)

Jetzt fehlt nur noch, dass einmal jemand nachweist, dass Philip K. Dick, der ja angeblich Deutsch lesen konnte, tatsächlich Heinrich Spoerl gelesen hat - genau das vermute ich nämlich auch schon seit zwanzig Jahren. Aber leider habe ich noch nie irgendwo eine Liste der deutschen Bücher in Dicks Handbibliothek oder ähnliches gesehen. Die Parallelen zwischen DER MAULKORB und DER HEIMLICHE REBELL sprangen mich damals bei der Lektüre jedenfalls förmlich an.


P.S. Wer wissen will, was dieses ominöse ALEXANDRIA-QUARTETT sein soll, schaue dort. Ein Klassiker des 20. Jahrhunderts, auf Deutsch leider nur ein Geheimtipp.

Sonntag, 4. Mai 2014

Aller guten Spekulationen sind vier

Folgendes wurde bisher vermutet, was meinen aktuellen Serienroman betrifft:

1. Dass ich einmal wieder an der klassischen Perry-Rhodan-Serie mitschreibe -


2. Dass ich an Perry Rhodan Neo mitschreibe -


3. Dass ich an der neuen Stardust-Miniserie mitschreibe, die Uwe Anton gerade konzipiert -



4. Dass ich an der offiziell noch unbenannten Serie mitschreibe, die Uwe Post für Wurdack konzipiert -


Tja, was will ich dazu sagen?

Eine der vier Spekulationen trifft zu.

Donnerstag, 1. Mai 2014

Hemingway über die Zukunft

(Quelle: Abreißkalender "Witzige Sprüche 2014" von Harenberg. Eigenhändiger Scan von dem Exemplar, das ich geschenkt bekommen habe)