Dienstag, 22. April 2014

Gelesen: Brian K. Vaughan und Fiona Staples, SAGA 2 (USA/CAN 2013)

Worum geht's?

Die beiden Deserteure von befeindeten Welten sind zusammen mit ihrer neugeborenen Tochter weiterhin auf der Flucht.

Wie ist der Comic erzählt?

Ironisch-realistisch, mit vielen popkulturellen Anspielungen. Die Zeichnungen von Fiona Staples sind mit ihren aquarellhaften Hintergründen sehr warm und atmosphärisch.

Was gefiel nicht so?

Die Story ist zwar eine, hm, intelligente Variation von Weltraumopern à la STAR WARS, aber sie gleicht auch einer Tüte Marshmallows: fluffig, aber wenig zu beißen.

Und ansonsten dürft ihr euch meine üblichen Vorbehalte gegen Serien mitdenken ...

Was gefiel?

Der Zeichenstil!

Die Figuren! Alana ist die süßeste Punk-Kratzbürste des bekannten Universums, und bei den Nebenfiguren gibt es immer wieder schöne Überraschungen. So hat es mir zum Beispiel dieser Schundautor angetan, der eine immer größere Rolle spielt - er sieht aus wie eine Mischung zwischen Samuel R. Delany und einem Zyklopen.

Gute Stelle?

Wie Alana ihrem Schwiegervater überraschend erstmals allein gegenübersteht.

Cool

sagt sie, während sie beide wie erstarrt sind.

Schön, dass ich immerhin ein Handtuch trage.

Diese Frau hat eine goldene Zunge.

(Deutsch von Marc-Oliver Frisch)

Zu empfehlen?

Aber ja. Noch fesselt mich diese Serie genug, dass ich mich auf Band 3 freue.

Wo aufgestöbert?

Ach, wie toll SAGA sei, steht ja seit etlichen Monaten überall im Web, siehe zum Beispiel dort. Ausschlaggebend für den Kauf von Band 1 war bei mir ein ausführlicher Artikel in Alfonz der Comicreporter. Band 2 habe ich dann im Januar gelesen - und vor ein paar Tagen noch mal.

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Gebunden, ohne Seitenzahl. Crosscult, Ludwigsburg, Dezember 2013)

Etwas Besonderes aus der Lektüre mitgenommen?

Nö. Es ist einfach ein, hm, kindlicher Spaß für Erwachsene. Näher an frühe Comiclesefreuden hat mich seit Jahren nichts herangebracht.

(Meine Lesenotiz zum ersten Band, den ich auch zur Nominierung für den Kurd-Laßwitz-Preis vorgeschlagen hatte, findet ihr hier. Und der dritte Band wird laut Verlag im August erscheinen. Die deutsche Ausgabe ist übrigens mit Abstand schöner als die Originalausgabe; der Aufpreis lohnt sich also.)

Donnerstag, 17. April 2014

Schon bizarr, der Osterstrauß, den ich da dieses Jahr arrangiert habe ...

... aber doch schön.





Ich wünsche euch ein so gutes verlängertes Osterwochenende, wie nur irgend geht!

Ich weiß - ihr wollt etwas Neues über meinen aktuellen Serienroman erfahren!

Okay, wie wäre es mit einem kleinen Einblick darin, wie man Exposés umsetzt - oder besser: wie ich sie umsetze?

Ich versuche, nicht zu viel zu verraten.

Die erste Szene im Exposé war ein Knaller: Wir lernen eine Frau kennen, die einer bestimmten Subkultur angehört und gerade an einem heiklen Ort etwas Illegales macht - als plötzlich in nächster Umgebung etwas Großes und Gefährliches passiert, dem sie jetzt einigermaßen schutzlos gegenübersteht!

Ein Knaller, wie gesagt. Schneller, furioser Einstieg in den Roman.

Ich habe mich letzte Woche ein paar Tage lang damit herumgeschlagen, dann wurde mir klar: So geht das nicht. So kriege ich das nicht hin. Wie ich die Szene auch drehte und wendete, immer ging mir die Orientierung flöten. Es wären fünfzehn, zwanzig Seiten, auf denen die Perspektive und die Erzählzeit wild hin und her springen würden. Gar nicht gut.

Also habe ich diese Woche aus einer langen Szene vier kurze gemacht:
  • Erst lernen wir die Hauptfigur und oberflächlich ihre Subkultur kennen,
  • dann betreten wir mit ihr zusammen diesen heiklen Ort,
  • dann passiert die illegale Handlung, und wir lernen über die beteiligten Figuren diese Subkultur genauer kennen,
  • dann kommt der große Rums.

Das läuft dann, schön knapp erzählt, auf genauso viele Seiten hinaus, aber beim Lesen ist man immer orientiert.

Und dadurch kann man, meine ich, besser mit der Heldin mitfühlen - die echt ein sehr eigenes Geschöpf ist.

Und wer weiß, vielleicht ist diese Abfolge sogar spannender - weil immer nacheinander kleine Rätsel hingestellt und beantwortet werden.

Wie der große Kollege Andreas Eschbach mal so schön sinngemäß auf einem Schreibseminar erklärt hat: Wenn der Anfang zu viel Wissen transportieren muss, dann ist es ja vielleicht gar nicht der Anfang, sondern eine spätere Szene.

Wir werden sehen, was die Leserschaft später zu diesem Anfang sagt. Beziehungsweise erst einmal, wie Lektorat und Redaktion ihn finden. Aber ich habe jetzt ein gutes Gefühl, was den Lauf der ersten Seiten betrifft.

Und das ist ja vorläufig das Wichtigste!

Mittwoch, 16. April 2014

Das Geschäft des Literaturübersetzens

Da neulich einmal wieder unterm Nachwuchs die Frage aufkam, was faire Vertragsbedingungen sind und wozu eine Mitgliedschaft im Übersetzerverband gut ist, hier ein paar Hinweise.

1. Faire Vertragsbedingungen sind immer Ansichtssache. Eine aktuelle Orientierung bieten die "Gemeinsamen Vergütungsregeln", wie ihr sie dort als PDF findet; das sind Regeln, die sowohl die beteiligten Verlage als auch die meisten Mitglieder des Übersetzerverbands fair finden - anderenfalls hätten sich beide Seiten ja nicht abseits von Prozessen darauf geeinigt.

(Ich schließe fast alle meine Verträge übrigens zu leicht bis deutlich schlechteren Bedingungen ab. Trotzdem betrachte ich diese meinen ausgehandelten Bedingungen dann als fair. Manchmal führt ein schlechteres Grundhonorar nämlich zu einem besseren Stundensatz; es kommt halt immer auch auf das Buch an. Umgekehrt kann ein schickes Grundhonorar für einen Text, der dir nicht liegt, zu einem katastrophalen Stundensatz führen.)

2. Der Übersetzerverband bietet seinen Mitgliedern eine Berufsrechtschutzversicherung - zumindest ich habe dieselbe in meinen zwanzig Berufsjahren schon dreimal gut brauchen können, und es ging insgesamt um einen fünfstelligen Betrag. Noch Fragen?

3. Und weil der Tipp im persönlichen Gespräch wieder einmal neu war: Seht euch die Seite mediafon.net unbedingt einmal an und abonniert zumindest den Newsletter! Geballtere regelmäßige Informationen zur geschäftlichen Seite der Kunst werdet ihr nirgendwoanders finden, erst recht nicht für umsonst.

(Finanziert wird mediafon mit Geldern des Berufsverbands - ein Argument mehr für die zahlende Mitgliedschaft.)

[Update] "Natürlich gleich am nächsten Tag durchgelesen"

... mailt G.A. aus B. zu BLOSS WEG HIER und fügt hinzu:

Sehr schön erzählt, die Geschichte! Natürlich die Frage, inwieweit das autobiografisch ist ...

Danke, das freut mich!

Autobiografisch: jein! :-D

(Frank, Bonanzarad Marke Vaterns Eigenbau, 1972 - ein tolles Teil, das ich immer noch in guter Erinnerung habe! Nur den fetten Spiegel hatte ich im Nu geschreddert ... seufz.)

P.S. vom 17.04. - Da der Golkonda-Insider diesen Blogeintrag heute früh auf Facebook verlinkt hat, vielleicht doch noch ein paar Worte mehr zu der Frage, inwieweit eigenes Erleben hinter der Geschichte steckt: Mein "Jein" oben bedeutet, dass die Hintergründe und kleinen Geschichten zwar autobiografisch oder zumindest authentisch sind (dann haben es Verwandte oder Freunde erlebt), dass der große Handlungsbogen aber ausgedacht ist. Wie es sich gehört: Man soll über das schreiben, was man kennt, aber man soll eine wilde Geschichte erzählen - dann macht's Laune und bleibt glaubwürdig!

Dienstag, 15. April 2014

Vormerken: Dietmar Dath am 16. Mai im Otherland!


Jakob Schmidt im aktuellen Otherland-Newsletter:

Puh, ich hab Angst. Daths PULSARNACHT, diese verwegene, knallige, lustvolle und kluge Space Opera, habe ich geliebt, und auch so manches andere Buch von ihm - und jetzt kommt ein SF-Roman auf einem fremden Planeten, in dem es um Kunst geht? Entweder das wird mega-anstrengend … oder halt ebenso großartig und visionär wie PULSARNACHT. Bis spätestens zum 16. Mai werde ich es in Erfahrung bringen - denn dann stellt Dath den Roman bei uns im Otherland vor!

Sollten wir Berliner Jungs und Mädels uns doch vormerken, oder?

***

Und schon am 3. Mai feiert das Otherland übrigens Geburtstag - auch ein Termin, den wir uns merken sollten ...

Webtipp: "Muddy Colors"

... das (englischsprachige) Blog eines Künstlerkollektivs im Bereich der Fantastik, mit tollen Einblicken in die Produktionsabläufe von Comicseiten, Buchumschlägen und und und!

Dort.

(Wunderbar zu Ostern oder auch zur Frühlingssonnenwende passende Zeichnung von Cory Godbey. Quelle: Muddy Colors)