Samstag, 20. September 2014

Heute Nacht war ich wieder in Morbidad

... was, wie meine regelmäßigen Bloggäste wissen, mein Traum-Berlin ist.

Im zurückgebauten Prinzenbad (zugeschüttete Schwimmbecken, alles entweder verwildert oder begärtnert) fand zum wiederholten Mal ein Hippiefestival statt. Ich schlenderte da im Sonnenschein herum zwischen den Zelten und Wohnmobilen, und als ich zur Bühne kam, war alles wunderbar, wie immer.

Doch dann sah ich diese Typen direkt vor der Bühne. Alles kräftige, schwarzgekleidete Kerle, die da einen auf dicken Max machten und sich rumschubsten und miteinander Würfe machten.

Das sollten Ordner sein? Gut, sie machten keinen Lärm, sondern rangelten da in völliger Stille, aber so etwas, fand ich, konnte doch nicht lange gutgehen.

Ich versuchte mich auf die Musik zu konzentrieren, aber es gelang mir nicht. Ich musste immer wieder zu diesen fast schon Randalierern sehen.

Irgendwann hatte ich genug und ging zu einer Frau, die im Eingangsbereich zur Festivalwiese Dienst schob. Ich erzählte ihr von dieser Horde und fügte hinzu: "Das sind alles xxx", (hier kam eine reichlich surreale Gruppenbezeichnung wie Publikaner oder Philadelphier oder so ähnlich, die ich aber gleich nach dem Erwachen wieder vergaß), "das kann doch nicht lange gutgehen!"

"Das sind die besten Ordner, die wir je hatten", sagte sie. "Früher mussten wir immer auf die Hell's Angels oder so zurückgreifen, aber die Publikaner" (ich nenne die jetzt einfach mal so) "sind viel besser. Die sind groß, die sind kräftig, die haben alle ein Gewaltlosigkeitstraining gemacht."

Ich sah wieder rüber zur Bühne, und jetzt kamen mir die Kerle wie Schwarzbären vor. Sie purzelten da in völliger Friedfertigkeit umeinander und taten niemandem etwas und sorgten durch ihre pure Präsenz dafür, dass sich alle benahmen.

"Ich bring dich mal zu ihrem Lager", sagte die Frau am Eingang, "dann kannst du dir selbst ein Bild machen."

Und während wir da hinüberstiefelten, blendete der Traum aus ...

Ja, so ist das in Morbidad. Wild, anarchisch, aber passieren tut dir da nie was -

Freitag, 19. September 2014

"Sehr guter, eigenständiger Roman"

... schreibt Amazon-Kunde G. Mackowiak zu meinem Neo-Roman BERLIN 2037 und führt weiter aus:

Dieser NEO ist ein Meisterwerk. / [...] Dabei ist es für den Leser gar nicht nötig, den gesamten Hintergrund zu kennen, der Roman funktioniert auch so. / Berliner Lokalkolorit ist reichl[i]ch vorhanden, so in etwa könnte eine der zahlreichen Subkulturen in zwei Jahrzehnten vielleicht wirklich sein, besonders wenn es wie in der Serienhandlung Kontakt zu Außerirdischen gibt. / [...] / Auf jeden Fall eine Leseempfehlung für jeden Freund phantastischer Romane, für jeden SF-Fan - und auch für jeden, der Berlin mag.

Aaah, das geht doch rrrrunter wie Öl ... Die vollständige Kundenrezension findet ihr dort. Ihr seht, ihr könnt euch da auch ohne große Serienkenntnisse rantrauen!

Donnerstag, 18. September 2014

Oha, Stilkritik!

Drüben im Perry-Rhodan-Forum hat jemand genüsslich meinen Neo-Roman zerpflückt.

Wenn ich mir das so anschaue, kommt mir unwillkürlich die Faustregel in den Sinn, die mir einmal der damals noch viel erfahrenere Autor und Übersetzer Jörn Ingwersen für den Umgang mit Lektoratsanmerkungen beigebracht hat: Ein Drittel sind Verbesserungen, ein Drittel sind Geschmackssache, ein Drittel sind Verschlechterungen. Da bin ich dann fast immer gut damit gefahren, mich für die Verbesserungen zu bedanken, die Geschmackssachen einfach durchzuwinken und mir für Verschlechterungen, die ja Hinweise auf Stellen sind, die nicht richtig funktionieren, dann eben noch eine Alternative auszudenken, die beide Seiten zufriedenstellt.

Ich glaube nun nicht, dass in den Auflistungen des stilbewussten Foristen ein Drittel tatsächliche Fehler enthalten sind, aber an mindestens zwei Stellen - die "Handvoll", das "unter dem Radar bleiben" - sitzt seine Kritik. Autsch! Danke dafür nach drüben!

Ansonsten werde ich den Verdacht nicht los, dass er einfach nicht empfänglich für meine Art zu erzählen ist; alles, was ich sprachlich gelungen finde, kommt in seiner Wahrnehmung gar nicht vor, und wenn ausnahmsweise doch, dann negativ. Schluchz.

Aber ist schon okay.

Wirklich.

Die Leute müssen meinen Stil ja nicht toll finden.

Sie sollten natürlich, klar.

Aber sie müssen nicht.

Echt nicht.

Ehrlich!

Ich schwöre.

Mittwoch, 17. September 2014

Kiekt mal

... was mir Freund und Nachbar Viktor Pavel neulich aus New York mitgebracht hat:


Ein T-Shirt des legendären Science-Fiction-Buchladens Forbidden Planet!

Und mal abgesehen davon, dass das gute Stück aufs Feinste meine Garderobe ergänzt, habe ich in der Tüte noch ein achtseitiges Fanzine des Ladens gefunden - ja, ihr habt richtig gelesen! Die machen im Internetzeitalter tatsächlich immer noch ein hektografiertes A5-Fanzine für ihre Neuerscheinungen, aktuell mit der Ausgabe 417 bei wöchentlicher Erscheinungsweise. Korrekte Einstellung.

Irgendwie fehlt unserem legendären Otherland noch so'n eigenes T-Shirt, meint ihr nicht auch?

Dienstag, 16. September 2014

"einfach weiterschlafen, auf ein Ufo warten"

DDR 1966. Eine frischgebackene alleinerziehende Mutter will saufen gehen und lässt ihr Kind in der Wohnung zurück:

Zwischen den Häusern aber wurde sie sofort traurig, die Stimmung, die von den bröckelnden Fassaden, von den unbehandelten Einschusslöchern aus dem letzten Krieg und den leeren Läden auszugehen schien, machte sie langsam, wie wenn sie im Stillstand unter Wasser liefe, ein Teil der Lähmung, die alle ergriffen hatte, die mit gesenktem Kopf über die Straßen schlichen, nur nicht aufblicken, nicht munter werden, einfach weiterschlafen, auf ein Ufo warten. Die Stimmung im Feldversuch Sozialismus war so durchdringend trostlos, die Gesichter waren so müde, dass selbst Sonnenschein kaum helfen konnte. Als würden sich sogar die jungen Leute nicht einmal mehr verlieben, aus Langeweile paaren und nur, um im Anschluss eine eigene Wohnung zu bekommen, in der sie dann sitzen und warten konnten. Wenn man den Menschen den Kapitalismus nimmt, bleibt von ihnen wohl nicht viel übrig.

aus: Sibylle Berg, VIELEN DANK FÜR DAS LEBEN (2012)
bei Hanser,
ab Oktober auch als Taschenbuch bei dtv

Sollt ihr lesen, weil: unter anderem der beste deutsch-deutsche Roman, den ich kenne!

Montag, 15. September 2014

Wieder was gelernt

autobombo = Spanisch für Eigenwerbung

Inspirationen aus der Kindheit

Wenn ich krank bin, greife ich gern auf die Musik, die Filme und Bücher meiner Kindheit zurück. Das ergibt sich instinktiv, dank ihrer heimelig-heilsamen Wirkung.

Gestern wurden mir dabei zwei frühe Inspirationen klar:

Dass ich als junger Mann gern "Seemannspullis", sprich Troyer, mit Jacketts kombinierte, was zwanzig Jahre lang so gut wie niemand außer mir machen sollte, geht wohl auf Käpt'n Haddock zurück.

Und das älteste selbstgemalte Bild in meinem Besitz, ein noch aus Grundschultagen stammender fröhlicher Zigarre rauchender Fisch mit Brille und gezwirbeltem Schnurrbart, dürfte direkt von dem prächtigen Beatles-Film YELLOW SUBMARINE inspiriert gewesen sein, dessen Design von Heinz Edelmann stammt, der später auch viele Bücher der Hobbit Presse so schön gestaltet hat.



Wer weiß, wie viele solcher Ideengeber aus Kindertagen es noch gibt, tief ins Gedächtnis abgesunken und doch immer noch wirksam, ohne dass man es überhaupt merkt?