Montag, 18. August 2014

Und, Frank, wie war die Premierenlesung zu BERLIN 2037 so?

Ick fand se jut.

Ein bisschen was hat sich auch im Netz niedergeschlagen. Die Otherlander haben auf ihrer Facebookseite ein paar Fotos gepostet, zum Beispiel dieses hier,

(Foto: Der Otherland-Wolf)

und Ralf Steinberg präsentiert auf Fantasyguide einen schönen Bericht über die Lesung und Signierstunde, garniert mit Fotos wie diesem hier:


Schön, dass ihr dagewesen seid! Und wenn nicht - ich mache ja öfter mal eine Lesung.

***

Inzwischen gibt es auch schon diverse Leserreaktionen zum Roman, aber darauf werde ich wohl erst in einer Woche oder so eingehen können; hier wollen noch etliche Seiten übersetzt werden, bevor wieder ein bisschen Ruhe einkehrt ...

Freitag, 15. August 2014

Gelesen: Neal Barrett jr., DEAD DOG BLUES (USA 1994)

Worum geht's?

Um einen toten, bellenden Hund. Wenig später um sein totes, laufendes Herrchen. Das war millionenschwer, und nun fallen Presse und Fernsehen in das kleine texanische Städtchen ein. Außerdem ist es heiß. Verdammt heiß.

Wie ist das Buch geschrieben?

Klassischer Detektivroman: Ich-Form, einfache Vergangenheit, lakonisch, spöttisch, gern mal sentimal.

Was gefiel nicht so?

Entfällt. Ich habe das Buch im Mai zum fünften Mal genossen.

Was gefiel?

Ich liebe und bewundere Barretts Erzählkunst; die kommt dermaßen einfach und locker daher, aber es sitzt jeder Satz, jede Beschreibung.

Gute Stelle?

Ich habe mir keine markiert. Aber einen Spruch zitiere ich seit Jahren, wenn wir in Berlin mal wieder einen brutal heißen Sommertag haben: "Schatten, das ist etwas für Städter und Schwule." Barrett lässt das seinen Helden über den örtlichen Kleinstadtbullen sagen, der als harter Kerl natürlich die Sonne ignoriert.

Und der Anfang liefert euch einen Eindruck davon, wie Barrett seine Sätze fügt. Deutsch von Thomas Stegers, der wunderprächtig genau den Ton trifft:

Der Tag fing eigentlich sehr gut an, bis Henry D. wegen des toten elektrischen Hundes anrief. Er sagte, der Hund befinde sich im Garten der Coomers, er belle sich die Seele aus dem Leib, und Max Coomer behage das ganz und gar nicht, ob ich nicht vorbeikommen und mir das mal ansehen könne.

"Es ist sechs Uhr morgens", sagte ich. "Ich will nicht vorbeikommen. Ich will mir keinen blöden Köter ansehen."

"Das ist nicht irgendein Köter, Mr. Jack", sagte Henry. "Es handelt sich hier um einen toten elektrischen Hund."

Ich überlegte. Ich sah mir Cecily Benét, die Joghurt-Queen, an. Sie lag da wie ein dreijähriges Mädchen, das Kissen eng an die Brust gedrückt, die schlanken Beine im Laken verheddert, die Knie angezogen bis fast unters Kinn, die langen Haare wie dunkler Seetang um den Kopf geschlungen. In dem trüben Halbdunkel sah sie unendlich süß aus, sie war am ganzen Körper sonnengebräunt, und ich merkte, daß ich keine Lust hatte, in die Stadt zu fahren.

"Was ist denn mit dem Hund, Henry?" sagte ich. "Ist er auf ein Stromkabel getreten, oder was?"

"Nein Sir, ich glaube nicht", sagte Henry.

"Aber er ist tot, oder?"

"Ja Sir. Und wie."

"Und er bellt. Wie laut bellt er denn, Henry?"

"Er bellt sehr laut."

"Hör mal. Anscheinend kapierst du nicht. Unsere Kommunikation ist irgendwie gestört."

"Mr. Jack, ich glaube, es ist besser, wenn Sie mal herkommen", meinte Henry.

Zu empfehlen?

Aber ja! Barrett war einer von den Großen, Unterschätzten. Ein wunderbarer Krimiautor; auch seine Western und SF-Romane sollen toll sein, aber davon habe ich noch nichts gelesen.

Wo aufgestöbert?

Vor vielen Jahren habe ich im Ramsch mal einen Hardcover gefunden, PINK VODKA BLUES. Der war so schön gestaltet, dass ich ihn spontan mitgenommen habe - es sollte eines meiner Lieblingsbücher werden.

Neulich habe ich die JONAH-HEX-Comics von Joe Lansdale & Co. gelesen; darin kam ein beknackter Hufschmied namens Neal Barrett vor, ein kleiner, liebevoller Seitenhieb vom einen Texaner zum anderen, was mich auf die Idee brachte, diesen Roman hier mal wieder zu lesen:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Taschenbuch, 383 Seiten. Heyne, München 1996)

Und sonst?

Barrett ist kürzlich verstorben. Habe ich erst bemerkt, als ich neulich seine Webseite besuchte.

Dienstag, 12. August 2014

Und schön dran denken: Berlin, Otherland, Donnerstag, 20 Uhr!

Da lese ich aus meinem neuen Roman BERLIN 2037, der Ende dieser Woche im Rahmen von Perry Rhodan Neo erscheinen wird.

Mehr zur Lesung dort. Oder, für Nicht-Facebooker, dort.

Ich freue mich schon!


P.S. Eine Leseprobe als PDF findet ihr dort.

Montag, 11. August 2014

Gelesen: Joe R. Lansdale, Timothy Truman und Sam Glanzman, JONAH HEX - TWO-GUN MOJO (USA 1994)

Worum geht's?

Jonah Hex, ein Abenteurer, der für die Südstaaten gekämpft hat, schlägt sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchs Leben in dieser Hölle, die Texas heißt. Dabei begegnet er nicht nur irdischen Kreaturen.

Wie ist der Comic erzählt?

Als eine Mischung zwischen Western- und Gruselgeschichte. Die Zeichnungen sind realistisch, aber mit lockerem Strich. Der Humor ist böse bis tiefschwarz. Die Dialoge schwanken zwischen Lakonie und Groteske.

Was gefiel nicht so?

  • Die Darstellung der verschiedenen Grenzer-Gesellschaften ist sehr finster, gewalttätig, rüde. Von den Utopien und neuen Ansätzen, aus denen heraus viele Siedler überhaupt nach Amerika gegangen sind, ist nichts zu spüren.
  • Hinter der Härte scheint mir viel tiefe Angst zu stecken, wie ich das immer wieder bei Kampfsportlern erlebt habe.
  • Manche Sachen sind betont unrealistisch angelegt, obwohl es nicht nötig gewesen wäre, zum Beispiel Hexens hässliches Loch in der Wange. Allein der Zeichner weiß, wie er es damit schafft zu rauchen. Dabei wäre das leicht zu lösen gewesen: Hex hätte sich nur bei irgendeinem Sattler eine Lederprotese anfertigen lassen müssen, die er sich zum Rauchen in die Wange schiebt.

Was gefiel?

  • Das Ganze ist unglaublich virtuos erzählt und gezeichnet.
  • Manche Stimmung erinnert mich sehr an die Geschichten von Robert E. Howard, die ich als Jugendlicher stark fand.
  • Der Erzählstil entwickelt einen Sog, der mich in den Comic hineinzog, ob ich nun wollte oder nicht.

Gute Stelle?

Hex kommt in eine Stadt, wo ihn der Fotograf nervt. Er droht, ihn zu erschießen, und geht weiter. Zwischen dem Fotografen und einigen anderen Bürgern entspinnt sich folgender Dialog:

"He threatened me! That ugly bastard treatened me!"

"Be glad threaten is all he did. Scar like that, don't you know who that is?"

"You mean ... No ..."

"Yeah. That's Jonah Hex his own damn self. He's killed more men than hell has souls."

Zu empfehlen?

Ihr seht, ich bin da zwiespältig. Unterm Strich: ja.

Wo aufgestöbert?

Der gute Molo hatte sich vor einiger Zeit die Gesamtausgabe zugelegt und wollte darum seine alten Ausgaben verschenken:



Damit hatte er die Leute dermaßen eingeschüchtert, dass er noch mehrmals nachhaken musste:





Da habe ich mich dann erbarmt, denn auch zynische alte Haudegen brauchen einen Ort, wo sie ihren müden Kopf ablegen können.



(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Broschur, ohne Seitenzahlen. Vertigo/DC, New York 1994)

Und sonst?

Viele Anspielungen habe ich sicher nicht verstanden, aber an einer Stelle kommt ein Hufschmied namens Neal Barrett vor, der reichlich beknackt aus der Wäsche guckt, und das hat mir dann doch Lust gemacht, einmal wieder einen Krimi von Neal Barrett jr. zu lesen. Aber dazu bald mehr!

Samstag, 9. August 2014

Hihi. Jetzt mit Nachtrag

Pogopuschel lästert drüben im SF-Netzwerk sehr schön über die Forderung, mein Neo-Roman müsse gefälligst überfremdungsdystopisch durchgefärbt sein:

[...] Heute frisch aus der Berliner Ghettobuchhandlung Otherland eingetroffen [...]. Im Umschlag steckte noch einer der Ninjasterne, mit denen der wackere Buchhändler Jakob auf dem Weg zum Briefkasten im Kreuzberger Großstadtdschungel von Deutschen mit Invasionshintergrund beworfen wurde. (Ich wette, dass das Otherland im Jahr 2037 eine der letzten Bastionen des Widerstands gegen die dekadenten Invasoren sein wird. Der verliesartige Keller direkt unter einem der Büchertische würde sich hervorragend für konspirative Treffen eignen.)

Herrlich. Hätten sich für diesen Roman Szenen aus dem Widerstand nicht ohnehin verboten, würde ich mir wünschen, dass mir so etwas eingefallen wäre!

***

Und ansonsten sind's ja nur noch sechs Tage, bis alle sehen können, wie die Romanhandlung nun wirklich läuft.

***

Nachtrag vom 10.08. - ein Freund und Kollege, seit vielen Jahren Wahlkreuzberger, schickte, "Apropos Ghetto", ein hübsches Foto, das er an einem Kiosk aufgenommen hat. Ich präsentiere mit herzlichem Dank den entscheidenden Ausschnitt:


Sehr schöne Schlagzeile. Auch die Kombination mit den Tipps oben haben sie richtig gut hingekriegt, die Herrschaften vom Stern. Ich bin bewegt.

Gelesen: Tomi Ungerer, DIE GEDANKEN SIND FREI (CH 1993)

Worum geht's?

Das ist eine kommentierte Sammlung von Erinnerungsstücken aus der Nazizeit, Untertitel "Meine Kindheit im Elsaß".

Wie ist das Buch geschrieben?

Lebendig und anekdotenhaft.

Was gefiel nicht so?

Manches erschloss sich mir nicht richtig - aber das liegt wahrscheinlich an mir; ich weiß schlicht nicht genug über die Geschichte des Elsaß.

Was gefiel?

  • Das Album liefert Dokumente, die mir völlig neu waren - etwa eine Reklame für "UHU Der Alleskleber": "Modellbau ist kriegswichtig! Auch der Nachbau von Heerestypen ist ein Teil vormilitärischer Erziehung." Genau das, was ich immer für ein blödes pazifistisches Argument gegen Kriegsspielzeug gehalten habe, wurde also von den Nazis tatsächlich propagiert, und Firmen haben damit geworben! Wieder was gelernt.
  • Ungerer erzählt sehr eindrücklich und differenziert.
  • Es wird deutlich, wie immer wieder kleiner und großer Widerstand möglich war - wenn man nur wollte.

Gute Stelle?

Zwei der beeindruckendsten Sätze kommen gleich im Vorspann, das Faksimil zweier Zeilen aus einem Schulheft Ungerers vom 1. Halbjahr 1943. Die Besatzer haben ihm den Vornamen Hans aufgedrückt, und er schreibt:

"Ich bin und heiße Hans Ungerer.
Ich werde der Wanderer sein."

Das wurde er dann ja auch, wenn man sich seine Lebensstationen so ansieht. Er war zwölf Jahre alt, als er das für sich voraussah. Mir hat sich die Kehle zugeschnürt, als ich diese Sätze laut vorlas.

Zu empfehlen?

Aber ja.

Wo aufgestöbert?

Ich hatte vor Jahren davon in einer Verlagsvorschau gelesen, und mein Brüderchen hat mir die Taschenbuchausgabe dann geschenkt:

(Eigenhändiger Scan vom gelesenen Exemplar. Taschenbuch, 144 Seiten. Diogenes, Zürich 1999)

Es hat etliche Jahre gedauert, bis dann im Mai der richtige Zeitpunkt zum Lesen kam.

Und sonst?

Ungerer hat drei unterschiedliche Fassungen dieses Erinnerungsbuches erstellt; eine für das französische, eine für das deutsche und eine für das amerikanische Publikum.

Freitag, 8. August 2014

Projektionen

Süß, wie drüben im SF-Netzwerk einige Leute ganz genau wissen, was gefälligst in meinem NEO-Roman thematisiert werden soll.

Wie sagte Siggi Freud so schön?

"Projektion ist das Verfolgen eigener Wünsche in anderen."

Passt.