Donnerstag, 29. Januar 2015

Jetzt im Bahnhofsbuchhandel: "Operation Gnadenakt", eine neue Kurzgeschichte von mir

Neulich trudelte hier das Belegexemplar der aktuellen Ausgabe von Phantastisch! Neues aus anderen Welten ein, darin enthalten meine erste Kurzgeschichte seit fünf Jahren, also seit "Wie Bonnie und" im ABEND BEIM CHINESEN.

Eigentlich schreibe ich ja schon lange keine kurzen Sachen mehr - aber zu der Anfrage von Storyredakteur Christian Endres konnte ich nicht nein sagen. Schließlich handelt es sich um das wichtigste deutsche Science-Fiction-Magazin, und zudem hatte ich es damals in seinen Anfangstagen fördernderweise abonniert, gleich nach der Nullnummer. Nun bin ich da mit einer Story drin - sehr schön!

 (Bildquelle: Atlantis Verlag)

Worum geht's?

Da bringe ich am besten zwei Auschnitte.

Im ersten sitzen "[e]ines schönen Tages im Frühherbst 2033" der Präsident der Vereinigten Staaten und sein Verteidigungsminister "am Picknicktisch auf dem Südrasen vor dem Oval Office":

"Noah, ich möchte gern, dass Sie mir etwas über die Operation Gnadenakt erzählen."

"Mit Verlaub, Sir, ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Auch der Oberbefehlshaber der Streitkräfte muss nicht alles wissen."

Und die zweite Handlungsebene beginnt so:

Tief in den unterirdischen Anlagen der Peterson Airforce Base im Cheyenne Mountain, Colorado, hatte Pflegekraft Sophia Mühe, sich nicht die Faust vor den Mund zu pressen. Aber die Überwachungskameras waren überall, und sie durfte sich nicht gehenlassen.

Das Magazin bekommt ihr wie gesagt im Bahnhofsbuchhandel oder natürlich beim Atlantis Verlag.

Falls ihr die Geschichte lest, wünsche ich euch gute Unterhaltung!

Und wenn ihr Lust habt, in den Kommentaren zu schreiben, wie ihr sie findet, dann haut rein! Ich bin gespannt, wie das Ding ankommt.


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English summary for foreign readers: The new issue of sf magazine Phantastisch! has hit the German bookstores, containing "Operation Gnadenakt" (Operation Act of Grace), a new story by yours truly. Feels like coming home!

Donnerstag, 22. Januar 2015

Zum x-ten Mal eingetrudelt: Raymond Khoury, MENETEKEL

Der Thriller des libanesisch-amerikanischen Autors Raymond Khoury dürfte wohl meine erfolgreichste Übersetzung sein. Hardcover-, Taschenbuch- und Buchklubausgaben, und letzte Woche trudelte auch noch ein Reader's Digest Auswahlbuch ein:

(Eigenhändiger Scan vom gelieferten Exemplar. Hardcover mit Lesebändchen, 575 Seiten. Das Beste, Stuttgart/Zürich/Wien 2014)

Inhaltsbeschreibung

TV-Journalistin Gracie Logan berichtet von einem Forschungsschiff in der Antarktis über die Folgen des Klimawandels. Da erscheint über dem zerfallenden Schelfeis eine riesige Lichtgestalt. Die Wissenschaftler an Bord diskutieren das Phänomen ebenso ratlos wie die Menschen weltweit. Handelt es sich um eine Naturerscheinung oder um eine überirdische Warnung? Gracie ist entschlossen, das Rätsel zu lösen. Eine Spur führt sie in die ägyptische Wüste, wo ein Mönch seit Monaten ein geheimnisvolles Zeichen an die Wände einer Höhle malt ...

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Ich wusste gar nicht, dass es die Auswahlbücher noch gibt! Eine der Lektürequellen meiner Kindheit - meine Eltern hatten damals einen Meter davon im Regal stehen.

Das Konzept, Bücher so einzukürzen, dass vier Stück in einen Band passen, ist durchaus fragwürdig - ich habe Autorenkollegen aber früher gern empfohlen, sich das einmal genau anzusehen, mit einem Textvergleich. Dann merken sie nämlich auf sinnlich-konkrete Weise, dass immer noch etwas zu kürzen geht - und auch, was dann doch besser dringeblieben wäre. Das am eigenen Text zu beurteilen, fällt Ungeübten ja zunächst schwer. Es gilt für mich nach wie vor James Krüss' Grundsatz, nach Abschluss der ersten Fassung ein Viertel von jeder Seite zu streichen. Nicht rigide, versteht sich, aber den Geist dieses Grundsatzes halte ich immer gern ein!


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English summary for foreign readers: Raymond Khoury's MENETEKEL (The Sign) is probably my most successful literary translation. Recently, I received the, I think, fifth edition - in five years!

Montag, 19. Januar 2015

Eingetrudelt: das Hörbuch zu BERLIN 2037

Neulich traf hier die Hörbuchversion meines Perry-Rhodan-Neo-Romans ein:

(Bildquelle: Eins A Medien)

Kurioserweise steht auf der CD-Hülle eine falsche Inhaltsbeschreibung - darum zitiere ich sie hier nicht, sondern bringe stattdessen einen kleinen Ausschnitt aus dem Roman. Wer BERLIN 2037 kennt oder sich zumindest die Leseprobe angeschaut hat, weiß, dass dort einige Frauen mit teilweise extremen Körpermodifikationen vorkommen. Ich persönlich stehe ja gar nicht auf so etwas und finde selbst die meisten Piercings und Tattoos eher abstoßend ... deshalb habe ich mit Mias Müttern ein paar Frauen eingebaut, wie sie mir besser gefallen. Mann muss sich ja auch mal was gönnen!

Hier also das dagegengesetzte Frauenbild, bittschön. Seite 52:

Ihre Mütter hatten es sich beim Birnbaum gemütlich gemacht, auf einem übergroßen Sofa aus Holz voller bunter Kissen. Sie tranken Kaffee, spielten Schach. [...] Die beiden brünetten Frauen waren schön, auf eine grobe, natürliche Art. Zierlich, sehnig, lange Haare, die sie locker hochgebunden trugen. Westenartige Tops, sieben Röcke, Armreife aus Holz, Fingerringe aus Stein und am Körper und im Gesicht jedes Haar, das dort wachsen wollte.

Ralf "Lapismont" Steinberg, der die meisten meiner Geschichten gelesen hat, erkannte gleich, wieso ich diese beiden Weiber eingebaut hatte, und amüsierte sich köstlich ...

Mehr zum Hörbuch, das es auch als Download gibt, bei Eins A Medien


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English summary for foreign readers: Recently, the audio book of my Perry Rhodan Neo novel BERLIN 2037 hit the German bookstores.

Samstag, 17. Januar 2015

"Im Wesentlichen ein Film über einen Mann, dem auf den Teppich gepinkelt wurde, und seinen Umgang mit ebendiesem Problem". Ergänzt um einen Nachtrag

Die Jungs von CineFix haben sich neulich einen meiner absoluten Lieblingsfilme vorgeknöpft und erzählen uns "Sieben Sachen, die ihr (wahrscheinlich) nicht über THE BIG LEBOWSKI wusstet" - auf Englisch, versteht sich. Viel Spaß!



(Gefunden bei Neatorama)

Nachtrag 24.01. - Murilegus Rex hat diesen Clip auf seinem Blog Lake Hermanstadt jetzt näher beleuchtet, und zwar dort.

Dienstag, 13. Januar 2015

Ach, wenn manche Verteidiger der Kultur des Abendlandes dieselbe doch nur kennen würden!

Stellvertretend zitiert für viele andere Äußerungen dieser Tage:

"Wenn man ehrlich ist, muss man zumindest sagen: Der Islam ist Deutschland fremd." (Bernd Lucke, AfD, 2015)

Echt wahr?

Schauen wir mal.

Vor beinahe zweihundert Jahren schrieb ein gewisser Geheimrat, quasi die Verkörperung des universalgelehrten Abendländers, seinen dicksten Gedichtband ausgerechnet über die islamische Kultur ...

Mehr als hundert Jahre alt sind Karl Mays Orienterzählungen, mit denen Millionen und Abermillionen deutsche Jungen aufgewachsen sind (und sicher auch, räusper, eine Handvoll Mädchen) ...

Und rund vierzig Jahre ist es inzwischen auch schon her, dass die Hippies und alternativen Sinnsucher sich nach Osten aufgemacht haben, um nicht nur den Buddhismus und Hinduismus, sondern auf dem Weg dorthin zum Beispiel auch den Sufismus, eine mystisch-ekstatische Strömung des Islam, vor Ort in lebendiger Tradition zu studieren. Der Hippie Trail führte sie unter anderem über Istanbul, Teheran, Kabul und Peshawar, und es wurden haufenweise Bücher geschrieben, Filme gedreht, Platten gemacht ...

Das sind jetzt mal nur die Sachen, die diesem Abitur-Abbrecher hier spontan vorm Schlafengehen einfallen; es gibt sicher noch mehr.

Um mit dem oben erwähnten großen Abendländer zu schließen:

Wer sich selbst und andere kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Okzident
Sind nicht mehr zu trennen.

Goethe, West-östlicher Divan, 1819

Amen!


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English summary for foreign readers: They want to save the culture of the Occident from Islam but they don't know their Goethe. And not even their Karl May.

Montag, 12. Januar 2015

Eingetrudelt: James Tiptree jr., STERNENGRABEN

Band 6 der siebenbändigen gesammelten Erzählungen ist schon zur Buchmesse erschienen, aber durch ein Versehen erst neulich bei mir eingetrudelt:

(Bildquelle: sf-fan.de)

Es handelt sich um eine deutsche Erstausgabe, und Alice "James Tiptree jr." Sheldon, die damals versucht hat, sich ins Team von RAUMSCHIFF ENTERPRISE zu schreiben, liefert hier quasi ihre persönliche Version einer Geschichte der Föderation ab. Das ist mit das Konventionellste, was Tiptree je geschrieben hat - aber was heißt bei Tiptree schon "konventionell"?

Die erste Geschichte, "Das einzig Vernünftige", zum Beispiel fängt so an - Übersetzung von mir:

Helden des Weltalls! Erkunder der Sternfelder!

Leser, hier kommt Ihr Problem:

Angenommen, wir haben einen Teenager, blond, Stupsnase, Sommersprossen, grüne Augen mit gelassenem Blick, reiche Eltern, weiblich, fünfzehn. Und seit die Kleine alt genug war, einen Holoknopf zu drücken, träumt sie nur noch von den Helden des Erstkontakts, den Erforschern der fernen Sterne, den großen Namen des aufkeimenden Sternzeitalters der Menschheit. Sie kann Ihnen den Namen der Crew jeder Forschungsmission nennen; sie kann Ihnen eine ziemlich genaue Karte des Gebiets der Föderation zeichnen und die Grenzstützpunkte aufzählen; sie kann Ihnen sagen, wer jeder einzelne[n] der rund fünfzig bekannten Zivilisationen zum ersten Mal begegnet ist, und sie weiß die letzten Worte von Han Lu Han auswendig, als er, ebenfalls kaum sechzehn, auf Lyrae 91-Beta durch Flammenstrahlen der Außerirdischen gerannt ist, um seinen Captain und Piloten in Sicherheit zu zerren. Mathe kann sie auch gut; es fällt ihr leicht. Sie treibt sich oft im Raumhafen herum, wo sie sich mit jedem, der sich auf ein Gespräch einlässt, anfreundet und mal mitfliegen möchte, und sie ist mit den Steuerelementen von vierzehn Schiffstypen vertraut. Sie ist eine Spätentwicklerin, was bedeutet, dass sie mit ihren winzig kleinen Brüsten leicht als Junge durchgehen könnte; und Liebe, große Liebe, ist für sie trotz Sexualkundeunterricht bloß Erwachsenenkram. Dafür schafft sie es in glatten siebzig Sekunden in ihren Kinder-Raumanzug, inklusive Sicherungshaken.

Nun nehmen wir dieses Mädchen, diese Coati Cass - ihr vollständiger Name lautet Coatillia Canada Cass, aber alle sagen Coati zu ihr -

Und wir schenken ihr zum sechzehnten Geburtstag einen robusten kleinen Weltraumflitzer.

Jetzt das Problem:

Düst sie damit im sternenübersäten Heimatsektor herum und besucht ihre Klassenkameraden und Freunde der Familie, wovon ihre Mutter ausgeht? Kurvt sie dabei ab und zu angeberisch an ein, zwei Vortex-Leuchtfeuern vorbei, wie ihr Vater befürchtet?

Tut sie das? Ernsthaft?

Oder - fliegt sie direkt zur nächsten Schiffswerkstatt und verballert fast ihr gesamtes Sparguthaben für zusätzliche Treibstofftanks und Sensoren mit hoher Reichweite, tankt ihren Flitzer randvoll und verduftet dann - bevor der Finanzberater der Familie irgendwie nachhaken kann - zum nächsten Grenzgebiet der Föderation, also zum Großen Nordgraben gleich hinter FedBase 900, von wo aus man sich mal richtig unbekannte Weiten und Sterne anschauen kann?

Das war kein besonders schwieriges Problem, oder?

Ernsthaft: Kann man eine Geschichte lebendiger anfangen lassen?

Eine Geschichte obendrein, die tragische Wucht entwickeln wird ...

Mehr zum Buch beim Verlag

Die Rohfassung des zitierten Anfangs habe ich übrigens auf der Frankfurter Buchmesse 2013 live vor Publikum erstellt - mehr über dieses Abenteuer könnt ihr hier lesen.


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English summary for foreign readers: I've co-translated STARRY RIFT by James Tiptree, Jr. The German version recently was published as STERNENGRABEN by Septime in Vienna.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Heute sind wir hoffentlich alle ein bisschen Charlie


Und weil Charlie Hebdo nie der tief- oder feinsinnigste war, begehe ich meinen Feierabend jetzt mit 'nem billigen Scotch und ebensolcher Edelbitterschokolade in der Badewanne und blättere mal wieder in Richard Dawkins GOTTESWAHN.

Was Besseres, als das Leben zu genießen, fällt mir jedenfalls nicht ein an so einem Dreckstag, wo sich die Todeskulte mal wieder selbst übertroffen haben.

("Wenn dein Glaube es wert ist, dafür zu töten, dann fang bitte mit dir selber an." Quelle: G. Willow Wilson auf Twitter)